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Halbwertszeit der Unsterblichkeit

Als ich selbst noch arm an Lenzen war teilte sich die Filmwelt für mich in zwei Lager. Alte Filme und neue Filme. In den Alten wohnten die Götter. Götter sterben nicht. In den Neuen nurmehr Stars, Lebenserwartung ungewiss. Alte Streifen kamen im TV, neue liefen im Kino. Alte waren jene, die vor meiner Geburt das Projektorlicht zur fiktionalen Welt erblickten. Neue solche, die mit ihrer Entstehungszeit noch in den Horizont meines Erinnerungsvermögens hineinreichten.
Die "echten" alten Filme waren meist Klassiker. Das waren die mit den "echten unsterblichen" Stars, die damals praktisch jeder kannte. Cary Grant, Spencer Tracy, Audrey und Kathrin Hepburn, Jimmy Stewart, Doris Day, Jimmy Cagney, Humphrey Bogart (was für ein Name! Sagt den mal mit dem Mund voll Studentenfutter...), Bette Davis, Gregory Peck, Edward G. Robinson..., um nur mal drei von ihnen zu nennen. Gefühlt. Früher hielt man die tatsächlich für unsterblich. Das waren die, die zu allen Zeiten immer jeder kennen würde...
Wenn man jung ist lebt man noch in einer statischen Welt, in der sich Dinge vermeintlich nie ändern werden. Ein schönes, beruhigendes Weltbild ist das. Zumindest, wenn die Zeiten gut sind. Daher rührt wohl auch dieses Geborgenheitsgefühl, wie es nur die Kindheit kennt. Alter und Sterben scheinen unendlich weit weg. Veränderung ist da noch keine Bedrohung. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind wie aus einem Granitblock gemeißelt, unter dem man geborgen und wohlbehütet, und vor allem unbeweglich begraben liegt. Lebendig!
Und dann wird man plötzlich doch erwachsen. Diese Blase zerplatzt. Manches ändert sich nie. Das Meiste aber immer und ständig. Unsterblichkeit gibt es nicht mal für das altehrwürdige Hollywood. Das hätte ich früher ja nie für möglich gehalten. Geht und fragt mal einen Jugendlichen wer James Stewart war, bzw. ist - die haben sich ja angeblich verewigt mit ihren Filmen.
Die Halbwertszeit dieser großen Unsterblichkeit dürfte ca. 50 Jahre betragen. Und unsere eigene diesbezügliche Halbwertszeit wird da gar nicht mal so weit darunter liegen. Immerhin! Sie ist weingstens ebenso armselig, im besten Fall. Worauf will ich hinaus? Ich glaube ich wollte einfach nur mal feststellen, dass das Streben nach Unsterblichkeit selbst in der Kunst keinen Sinn macht. Und ab dem Moment, wo wir begreifen, dass selbst Mythen und Ikonen vergehen, da beginnt man endlich auch den kühleren Wind des Erwachsenwerdens zu verspüren. Mit ihnen geht immer auch ein großes Stück unbeschwerten Kindseins. Das ist alles? Ich fürchte ja. Stream of consciousness...

Halbwertszeit der Unsterblichkeit

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