Hallo Deutschland, Du enttäuschst mich!

Aus der Ferne betrachtet, finde ich manche Sachen in Deutschland richtig gut. Bei den Briten auf der Insel zum Beispiel gibt es keine Bundeszentrale für politische Bildung, die dafür sorgt, dass Bildung in From von Büchern für schmales Geld zu haben ist. Eigentlich Spitze, dass es so einen Service gibt und etwas, was ich gerne erzähle, wenn es um die alte Heimat geht.

Obwohl ich in den letzten Monaten eigentlich nicht gerne über Deutschland reden mag, wenn ich ehrlich bin. Mein Feed auf Facebook hat ständig neues Unheil aus Deutschland zu vermelden: aus Freital, aus Dresden, von Herrn Seehofer... . Die Liste scheint endlos. Dieser Tage weiß ich gar nicht, welchen Artikel ich verlinken soll, wenn es um die Flüchtlingsdebatte geht.

Heute zum Beispiel: In Dresden haben ca. 200 Nazis gegen die Ankunft von syrischen Flüchtlingen protestiert. Es kam zu Ausschreitung als man auf die Gegendemonstration traf. Ein paar Tage vorher hieß es in der FAZ noch, dass zwei Flüchtlingsheime Ziele von Brandanschlägen waren. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Laut Forsa-Umfrage sorgen sich immerhin 67% der Deutschen sehr deswegen. Wenn man hört, dass alleine bis Juni 150 vom Innenministerium Anschläge auf Asylunterkünfte registriert worden sind, macht das auch Sinn. Im Vergleich zum vorherigen Jahr wurden 170 Anschläge registriert.

Glücklicherweise hat es Deutschlands Umgang mit Flüchtlingen noch nicht in die britischen Medien geschafft, sieht man mal von Pegidia ab, die mittlerweile auch schon wieder ein alter Hut sind. Zu sehr ist man noch mit Merkels Griechenlandpolitik beschäftigt und natürlich den eigenen hausgemachten Problemen wie David Camerons Sparpolitik. Das passt mir ganz gut in den Kram, muss ich mich nicht schämen, falls Kund*inen im Buchladen fragen, wo ich herkomme.

"Wo kommst Du eigentlich her?"
"Ich bin aus Deutschland rüber gekommen."
"Oh, Deutschland...da wo es so viele Proteste gegen Asylunterkünfte gibt. Und dann auch noch die vielen Anschlägen. Wie fühlt man sich so als Teil einer fremdenfeindlichen Nation?"

Immerhin könnte ich noch sagen, dass ich aus der Nähe von Dortmund bin. Bei Dortmund assoziieren die meisten BVB und nicht Nazis, dabei könnten in Dortmund so Leute wie SS-Siggi in Deiner Nachbarschaft leben. Die meisten Leute denken ja, Rassismus ist ein Problem des Ostens. Vielleicht auch in Bayern oder aber in Hamburg. Eventuell noch Duisburg. Hamm soll ja auch relativ schlimm sein. Generell ist es aber eher ein Einzelphänomen, das höre ich aber auch immer wieder. Komisch, dass es nur überall in Deutschland zu diesen Protesten kommt.

Eigentlich bin ich nie jemand gewesen, der auf seine Nationalität stolz war. Das Konzept Nationalität ist für mich zu abstrakt. Was hab ich davon, wenn die deutsche Elf Fussball-Weltmeister wird? Eigentlich bin ich auch gerade eher von Deutschland enttäuscht. Von diesen ganzen Freitalern und Seehofern um genau zu sein.

Tatsächlich aber gäbe es etwas, was mich auf meine alte Heimat stolz machen würde: Wenn Menschen auf der Flucht willkommen wären.

Ich habe das herzlich gerade gelöscht. Es muss noch nicht mal herzlich sein, aber wenigstens mit dem Mindestmaß an Empathie. Dazu gehören einfach keine dümmlichen Proteste, keine Anschläge auf Asylunterkünfte und kein platter Populismus.

Flüchtlingsdebatte

http://www.sueddeutsche.de/politik/dresden-gewaltausbruch-bei-npd-demo-gegen-fluechtlingsunterkunft-1.2582197

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