Handy im Eigenbau: Modulare Smartphones kommen

Als der holländische Designer Dave Hakkens 2013 sein „Phonebloks“-Konzept darstellte, war die Netzwelt entzückt: Ein modulares Smartphone hatte Hakkens erdacht, mit einer Basisplatte, auf die in Lego-Art Prozessor, Akku, Bildschirm, Kamera, Speicher, GPS-Modul etc. aufgesteckt werden könnten. Dieses Design könnte verschiedenste Bedürfnisse bedienen: Ein größeres Kamera-Modul für Fotografie-Begeisterte, großer Speicher (oder Wechselspeicher) für alle, denen 16 GB nicht reichen, kein GPS für paranoid Angehauchte, eine „richtige“ Tastatur für Vielschreiber etc. etc. Ein spannendes Konzept – aber leider nicht mehr, denn die technische und ökonomische Machbarkeit hatte Hakkens bewusst ausgeklammert.

Die Idee war jedoch wegweisend genug, dass die Industrie aufsprang. Google, mit Tochterunternehmen Motorola, arbeitet unter dem Namen „Projekt Ara“ an einem modularen Smartphone und wird voraussichtlich im kommenden Jahr ein Modell vorstellen, das auf Rahmen mit 4 bis 5 Zoll Bildschirmgröße basiert. Module sollen von Drittanbietern produziert werden. Auch Dave Hakkens war kurzzeitig bei Projekt Ara involviert.

Ein kleiner, innovativer Anbieter kommt dem Giganten jetzt jedoch zuvor: Fairphone, ebenfalls aus Holland, bringt in Kürze das Fairphone 2 auf den Markt, dessen Innenleben zumindest teilweise modular und austauschbar sein wird. 2013 hatte das Unternehmen mit dem Fairphone 1 bereits einige Aufmerksamkeit erregt, als es versprach, nur möglichst faire und konfliktfreie Ressourcen zu verwenden.

Ein Artikel auf der Webseite Ktlaz zeigt jetzt Bilder und Infos zum Fairphone 2. Zumindest technisch Versierte sollen demnach das Smartphone selbst auseinandernehmen und Teile des Innenlebens austauschen können. Fairphone bewirbt dies mit dem Spruch „Designed to repair“. Zur Zeit scheint der Nutzen dieser Modularität sich auf das 1-zu-1-Ersetzen fehlerhafter Teile zu beschränken, aber es ist definitiv denkbar, dass nach einiger Zeit auch Upgrades von Prozessor, Akku, Speicher etc. möglich sein werden – wie es im PC-Markt seit Jahrzehnten Standard ist.

Sollten sich modulare Designs durchsetzen, könnte das unsere Kauf- und Nutzgewohnheiten in Sachen Smartphones komplett ändern: Keine Akkumisere mehr, freie Wahl bei Software wie bei Hardware – und hoffentlich ein Schritt weg von geschlossener Architektur und geplanter Obsoleszenz.

Smartphone

http://www.ktlaz.com/2015/10/26/fairphone-2-is-the-worlds-first-modular-smartphone/