Helmut Schmidt - er war ein großer !

Die ständige Gehör-Belästigung in Kaufhäusern und Lokalen geht mir auch auf den Wecker. Man kann sich dagegen leider nicht wehren. (Das gilt übrigens auch für die Geruchsbelästigung durch übermäßigen Parfümgebrauch oder gar Körpergeruch im Theater oder Kino, im Bus/U-Bahn usw.)

Gut, dass ich dem nicht auch noch auf der Arbeit ausgesetzt bin. Das ist natürlich auch eine Frage der Rücksichtnahme, genauso wie die ständige Nerverei mit Handys.

Auch die mediale Berichterstattung (nicht nur im Radio) über den Tod von Helmut Schmidt, war m.E. zu ausgedehnt. Aber das gilt ebenso für viele andere Themen, wie z.B. Sportberichte, Berichte über royale Hochzeiten, und andere spektakuläre Ereignisse, sogar Paris und 9/11. Je nach Geschmack hat man da verschiedene Präferenzen. Sport, Königshäuser, Klatsch und Tratsch, Entertainment gehören nicht zu meinen. Ich toleriere aber andere Meinungen und Interessen.

Genauso muss man nicht unbedingt mit H.S. etwas verbinden können. Das ist insbesondere zu verstehen, wenn man ihn - der "späten Geburt" wegen - nicht selber erlebt hat und auch nicht allzu viel darüber weiß.

Darum habe ich auch kein Problem damit, wenn Boelthor fordert: "Akzeptiert meine Ignoranz“. Es verlangt sicher keiner von ihm, dass er um H.S. trauert. Übrigens trauern auch nicht wirklich viele Deutsche um die Opfer des Terroranschlages in Paris. Sie kannten sie ja nicht, wussten nichts von ihnen und hatten kein persönliches Verhältnis dazu - so wie offenbar auch einige Leute zu H.S. Das gleiche Verständnis sollte man aber auch für die aufbringen, denen H.S. etwas bedeutet hat, weil sie mehr über ihn wissen und ihn miterlebt haben.

Anscheinend werden Politiker eher nach ihrem spektakulären Gesten und Eigenschaften beurteilt - der Kniefall Brandts, der 1. Bundeskanzler Adenauer, die 1. weibliche BundeskanzlerIN Merkel, Kohl, der Kanzler der Einheit (das war übrigens nicht maßgeblich seine Leistung, er hat nur geerntet, was Willy Brandt und andere Politiker vor ihm gesät haben. Aber das ist ein anderes Thema). Die eigentliche politischen Leistungen scheinen zweitrangig zu sein.

Und bei Boelthor muss sogar der Tod "besonders tragisch oder spektakulär“ sein, damit er davon betroffen ist. Ist denn der Tod eines Menschen nur berichtenswert, wenn er besonders tragisch oder spektakulär ist?

Niemand wird gezwungen, sich mit H.S. auseinander zu setzen. Auch ich will nicht über sein politisches Lebenswerk belehren, das kann man überall nachlesen. Wer aber nichts um sein politisches Leben und Wirken weiß, der sollte ihn auch nicht auf das Rauchen in Talkshows reduzieren.

Übrigens - wenn meine Arbeitskollegen mich mit Radioberichten vom Sport, Staatsakten und anderen für mich uninteressanten Ereignissen nerven würden, dann würde ich sie einfach bitten, das abzustellen.

Helmut Schmidt

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