Helmut Schmidt’s Tod ist eine willkommene Gelegenheit….

Ich habe eingeräumt, dass es viele andere banale Themen gibt, über die den ganzen Tag in den Medien berichtet wird und mir das auch auf den Wecker geht. Dieses aber gleichzustellen mit Helmut Schmidt, nur weil man nichts darüber weiß? Anderen Menschen, die sehr wohl etwas darüber wissen, zu unterstellen, dass sie sich nur darüber unterhalten, weil die Politik und die Medien ihnen das aufzwingen, ist wohl sehr fragwürdig.

Boelthor schreibt: "dass man mit Helmut Schmidt eben nichts Einschneidendes verbinden kann und auch nichts Richtungsweisendes.“ ER (Boelthor) kann es wohl nicht, weil er ihn nicht miterlebt hat und ja auch kein Interesse daran hat, sich zu informieren. Wie sollte er das auch beurteilen, wenn er doch zugibt: "und dabei lese ich weder Zeitung, noch schaue ich Fernsehen. Auch im Netz filtere ich meine Infos raus“ ?

Weiter: Fredy hat "nicht erwähnt, weshalb und was er (Schmidt) denn getan hat, was ihn so groß macht“. Das hat Boelthor sich ja ausdrücklich verbeten. Wie ich schon sagte: man kann es überall nachlesen, es ist nicht meine Aufgabe, ihn zu belehren.

ANDERE können sehr wohl etwas damit verbinden. Wer Interesse daran hat, kann meinen Comment "Hommage an Helmut Schmidt“ in Kürze hier auf Whicee lesen.

Ach ja, da war auch noch meine „Unverschämtheit": Zitat Boelthor: "Auch habe ich nicht erfahren, dass sein (Schmidts) Ableben besonders tragisch oder spektakulär gewesen ist, dass ich irgendwie betroffen sein müsste“. Daraus habe ich logisch gefolgert: "bei Boelthor muss sogar der Tod 'besonders tragisch oder spektakulär' sein, damit er davon betroffen ist.“ und die Frage angeschlossen: "Ist denn der Tod eines Menschen nur berichtenswert, wenn er besonders tragisch oder spektakulär ist?“

Das bezeichnet Boelthor als „Falschbehauptungen“ und (Zitat): "Diese Unterstellung grenzt an eine Unverschämtheit und zeigt mir deutlich, dass mein (Boelthors) Bericht von Fredy nicht vollständig gelesen oder lediglich überflogen wurde.“ Ich habe den Bericht sehr wohl sorgfältig und sogar mehrmals gelesen. Aber die Wiederholung der Texte in seinem Re-Comment machen sie auch nicht richtiger.

Boelthor: „Wenn ein Künstler, der einer Gruppe von Menschen etwas gegeben hat mit 45 stirbt ist es auch eine andere Nummer, als wenn dieser mit 97 den Löffel abgibt.“ Dieser GRUPPE hat er sicher etwas gegeben. Aber Schmidt hat nicht nur eine Gruppe, sondern eine ganze Generation bewegt, das ist ein ganz anderes Ausmaß. Wenn ein bedeutender Künstler oder Politiker stirbt, ist das doch für seine Leistung kein Unterschied, ob er an Altersschwäche oder "besonders tragisch oder spektakulär" von uns geht. Was ist denn, wenn z.B. Leonard Cohen oder Mick Jagger eines Tages sang- und klanglos (schönes Wortspiel) "den Löffel abgibt", ist deren Lebenswerk und eine Berichterstattung darüber weniger wert, als wenn sie erschossen würden oder mit dem Flugzeug abstürzen?

Ich verstehe, dass man von solcher Berichterstattung (und vielleicht auch von Unterhaltungen der Kollegen) genervt sein kann. Das aber am Beispiel Schmidt aufzuhängen ist denkbar ungeeignet. Da gibt es viele bessere Beispiele. Deshalb scheint mir die Überschrift „Es geht nicht um Helmut Schmidt“ sehr fadenscheinig zu sein. Natürlich geht es Boelthor um Helmut Schmidt, sonst hätte er für seinen Comment ja auch wohl nicht das Thema (Startag) „Helmut Schmidt“ gewählt.

Ebenso werden sich die Kollegen über Fußball, „Germany's Next Topmodel“ und andere für SIE wichtige Themen unterhalten, die andere weniger interessieren. Dann lassen wir ihnen doch auch das Recht!

Boelthor sagt zwar auch "denn das ist ihr gutes Recht.“ (das muss man ja wohl sagen). Andererseits beklagt er, dass "sich gar meine Kollegen lautstark in die Thematik einmischen und deren eigene Meinung dazu abgeben“ aber anscheinend gesteht er das anderen nicht wirklich zu, da er in seinem Comment "Die neue Umfrage der Bild“ offen zugibt: "Aber da ich (Boelthor) den unbändigen Drang habe, solche Leute zu belehren und ihnen aufzuzeigen, dass sie dumm sind“. Kann es etwa sein, dass er bei den „lautstarken“ Diskussionen der Kollegen heftig beteiligt ist?

Natürlich hat jeder auch das Recht, sich über jung und spektakulär verstorbene Musiker zu unterhalten. Jeder darf doch zum Tod von Kurt Cobain, John Lennon, Amy Winehouse, den Opfern von 9/11, Paris oder sogar Helmut Schmidt seine eigenen Gefühle haben. Wir sollten nicht darüber befinden, ob andere Menschen wirklich davon betroffen sein dürfen oder sich einfach noch einmal erinnern wollen. Keiner wird sich von Medien oder Politikern aufzwingen lassen, "dass es wichtig sei“ und dann pflichtbewusst "darüber reden müsse“.

Viel weniger läßt sich noch ein Gefühl oder eine Betroffenheit aufzwingen. Ich glaube nicht, dass viele betroffen sind oder trauern, oder gar weinen, wie Frau Merkel nach den Pariser Attentaten den Franzosen versicherte: „wir weinen mit ihnen“. Über die Diplomatie dieser Worte kann man streiten. Einige Menschen palavern sicher gerne aus Sensationslust über den spektakulären Tod von wem auch immer. Dabei steht dann nicht die Person im Mittelpunkt, sondern eben die Sensation. Wenn aber ein Mensch 96-jährig stirbt (was ja auch irgendwann zu erwarten war), ist es doch legitim, sich seiner Bedeutung noch einmal bewusst zu werden. Das wurde aber bei Helmut Schmidt auch bei seinen runden Geburtstagen und vielen anderen Gelegenheiten getan, nicht nur anlässlich seines Ablebens.

Wollen wir Boelthor seine Ignoranz und Gleichgültigkeit zugestehen, und lassen wir andere selbst darüber entscheiden, ob sie gleichgültig oder betroffen oder einfach nur informiert sein wollen!

Anscheinend stellt Boelthor auch noch eine neue Verschwörungstheorie auf: "wenn dann mal wieder ein Politiker stirbt, dann ist das auch eine wunderbare Gelegenheit, das Volk vom aktuellen Weltkrieg abzulenken“. Aber sowohl Joachim Gauck (das ist der Bundespräsident) als auch Monsieur Hollande (das ist der französische Präsident) werden nicht müde, uns zu erzählen, dass wir uns im Krieg befinden. Aber sie verschweigen uns anscheinend arglistig, dass dieses ein „Weltkrieg" ist. Hab ich da etwas nicht mitgekriegt? "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ lautet einer der bekannten Ratschläge von Helmut Schmidt. Das zu sagen würde ich mir allerdings nicht anmaßen.

Wissen ist Macht. Nichts wissen macht nichts.

Helmut Schmidt