Hetze gegen Flüchtlinge – powered by Google?

In einem Kommentar von letztem Freitag äußert Benjamin Maack von Spiegel Online Kritik daran, dass Google eine User-erstellte Karte (genauer gesagt, einen Layer in Google Maps) gelöscht hat. Diese Karte mit dem Titel „Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft“ beinhaltete hunderte Pins, die die exakten Adressen von Flüchtlingsunterkünften darstellten – teils mit Angaben zur Anzahl der dort Lebenden.

Diese Karte, offensichtlich von rechtslastigen Asylgegnern (so genannten) erstellt, wurde seit einiger Zeit kontrovers in sozialen Medien diskutiert, wobei viele Stimmen die Löschung durch Google verlangten. Das ist nun also geschehen – für Maack eine Niederlage der freien Meinungsäußerung im Kampf um den „richtigen“ Umgang miteinander in der Flüchtlingsdebatte.

„Die Gegner hätten die Perfidie dieser Map mit Klugheit, Witz und Kreativität kontern müssen. […] Der kalten Organisiertheit mancher Asylgegner muss mit Ideen und Denkprozessen begegnet werden. […] Es geht darum, kreative Wege zu finden, den rechtspopulistischen Demonstrationen im Netz etwas entgegenzusetzen, das gewichtiger, empathischer ist - und vor allem gewitzter als ein Like und ein Retweet“, so Maack. Wie diese ganze Witzigkeit und Ideen-Haberei aussehen könnte, bleibt offen.

Er nennt die Karte eine "Demo im Netz" und warnt: Das Löschen sei vergleichbar mit der gewaltvollen Unterdrückung einer Stimme abseits des Mainstreams. Gegendemos in der Form von Karten, die zur Hilfe aufriefen, seien schließlich ebenfalls vorhanden.

Die Argumentation dahinter, eine Form des Appeasements, ist nicht neu und lautet wie folgt: 1) Ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung hegt negative Vorurteile gegenüber geflüchteten Menschen, solchen, die Asylanträge stellen, Ausländern, Menschen mit brauner oder schwarzer Hautfarbe etc. etc., meist ohne Ansehen von Herkunft oder Hintergrund. 2) Die Verantwortung zur behutsamen Beseitigung dieses unschönen Zustands liegt bei der anders gesinnten Bevölkerung. Impliziert wird: 3) Der rassistische Teil der Bevölkerung ist mehr oder weniger ohne Schuld oder Verantwortung, ihre Einstellungen haben einen legitimen Ursprung und somit eine Berechtigung.

Durch ein solches Vorgehen zeigt man nicht, wie häufig dargestellt, Verständnis für nachvollziehbare Ängste und Sorgen in der ganz normalen Bevölkerung; ganz im Gegenteil verschafft man hiermit Rassismen in der ganz normalen Bevölkerung die viel zitierte Salonfähigkeit.

Der Tag, an dem über unannehmbare Forderungen und unhaltbare Ansichten („Asylanten raus“) ganz normal diskutiert wird, ist der Tag, an dem Pegida und Co. ihre Gefolgschaft wieder vergrößern können – denn einen Rassismus und seine Anziehungskraft machen nicht nur der Hass auf „das Andere“ aus, sondern vor allem auch seine Irrationalität und Immunität gegenüber Argumenten und Fakten.

Flüchtlingsdebatte

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-fluechtlingskarte-loeschen-hilft-nicht-kommentar-a-1044064.html

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