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Hikikomori – Japans zurückgezogene Generation

Japans Kultur fasziniert. Manga und Anime, Nintendo und Sony, harte Arbeitsmoral und Wohlstand, Ehre und Wahrung des Ansehens – Schlagworte, die die Realität in dem seit Jahrhunderten ethnisch und kulturell weitgehend homogenen Land natürlich nur drastisch verkürzt wiedergeben können.

Was im Westen seit den 70ern als „Nerd“ bezeichnet wird, ist in Japan, annäherungsweise, der „Otaku“: Ein Mensch, der sich teils mit Fanatismus bestimmten Feldern von Wissenschaft oder Popkultur zuwendet und dem Klischee nach geringe social skills besitzt.

Von der globalen Rezession der vergangenen Jahre wurde auch Japan hart getroffen – so hart, dass sich im Zusammenspiel von kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren ein neues Phänomen gebildet hat, eine Hardcore-Version des „Otaku“ ohne positive Konnotationen: „Hikikomori“, wörtlich „sich einschließen“, ist ein Begriff für junge Menschen, die ohne festen Job sind und aus Furcht vor gesellschaftlicher Stigmatisierung ihr Zimmer nicht mehr verlassen.

Häufig ohne Schul- oder Uniabschluss, oder mit einem solchen, der in der gegenwärtigen Wirtschaftslage wenig nützt, leben junge unverheiratete Menschen bei ihren Eltern – eine normale Situation in Japan, wo Wohnraum horrende teuer ist und eine emotionale Abhängigkeit von den Eltern stärker ausgeprägt ist als in westlichen Gesellschaften.

Ohne Mittel und ohne Perspektive verbringen Hikikomori ihre Tage oder Nächte im Web und mit dem Konsum von Filmen, Videospielen, Mangas und Animes. Manche verdienen Geld mit web-basierten Dienstleistungen wie Programmieren, viele verlassen das elterliche Haus für Monate oder Jahre nicht. Schätzungen beziffern die Zahl von Hikikomori auf bis zu eine Million, weitere 1,5 Millionen seien in Gefahr, in den Zustand abzurutschen.

In Japan wird das Phänomen mitunter bereits das „Jahr 2030-Problem“ genannt: Ungefähr für diese Zeit wird erwartet, dass die Eltern der ersten Hikikomori-Generation sterben und diese somit ihre Lebensgrundlage verlieren.

Die umfassende Erforschung von Ursachen und die Behandlung der Betroffenen wird von der sozialen Stigmatisierung behindert, der Hikikomori ausgesetzt sind: Die Problematisierung von Versagen und Verweigerung sind mit Tabus behaftet, ob im Öffentlichen oder im Privaten.

Dennoch scheint sich im Angesicht der Größe des Problems ein Sinneswandel durchzusetzen: So versucht beispielsweise der Hikikomori-Experte Dr. Takahiro Kato von der Kyushu-Universität einen multidimensionalen Ansatz zu entwickeln, der neben psychologischen auch soziale und biologische Aspekte mit einbezieht.

Hikikomori

http://www.abc.net.au/news/2015-07-07/hikikomori-japanese-men-locking-themselves-in-their-bedrooms/6601656