Home is where the Hafen is

Hamburg oder Berlin??
Mit dieser Frage hatte ich mich seit Monaten beschäftigt, als klar wurde, dass es jobmäßig und auch sonst in Münster für mich nicht weitergeht. Beide Städte fand ich von Besuchen her gut, in beiden habe ich sehr gute Freunde, in beiden sind die Jobaussichten in meiner „Braansch“ besser als in Münster und in den meisten anderen deutschen Städten.
Dann hatte einer meiner Lieblingsmenschen eine gute Idee, für die ich heute noch sehr dankbar bin. Und so kam es, dass ich am Ende eines ziemlich chaotischen Jahres schließlich in Hamburg strandete. Das war vor ziemlich genau einem Jahr, und dass ich hier so schnell nicht mehr weg will – nicht mal nach Berlin – hat sich ziemlich schnell gezeigt.
Nichts gegen Berlin! Ich kenne großartige Leute in Berlin, und wenn ich da bin, amüsiere ich mich immer königlich. Aber ich weiß nicht, woran es liegt, dass ich immer so kaputt bin, wenn ich nach 2-3 Tagen nach Hamburg zurückkomme. Sind es die endlos langen Straßen, die den Himmel aussperrenden Häuserfluchten, das verworrene U-Bahnnetz, sind es die ganzen Verrückten, die Dutt- und Longboard-Hipster, die Reizüberflutung, das Überangebot an Eindrücken und Möglichkeiten, oder ist es die Geschichte, die an manchen Plätzen so schwer über den Köpfen hängt?
– Ich glaube nicht, denn das meiste davon gibt es hier in Hamburg ja auch irgendwie, mehr oder weniger.
Nein, es geht bei diesem Ranking nicht um irgendwelche Negativkriterien, und ich will auch gar nicht irgendwelche Kultur- und Freizeitangebote, die Mietpreise, die „Mentalität“ der Einheimischen o.ä. miteinander vergleichen, und auch über das legendäre Nachtleben haben Hans Albers, Udo Lindenberg und Jan Delay schon mehr als genug gesungen.
Der wesentliche Grund dafür, dass ich mein <3 an das windige HH und nicht an das wiggelige B verloren habe, ist kein rationaler, was ja wohl meistens so ist bei Herzensangelegenheiten. Es ist einfach das Gefühl, das ich jedes Mal habe, wenn ich aus der U-Bahnstation Jungfernstieg wieder ans Licht komme, das Wasser sehe und die Möwen kreischen höre. Egal, wie beschissen der Tag bis dahin war – das lässt mich immer wieder grinsen. Weil ich in einer Stadt wohne, in der Möwen, Schiffe und das ganze Gedöns zum normalen Stadtbild gehören, so einfach ist das, das reicht schon. Egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit und bei welcher Witterung haben Alster, Elbe, Landungsbrücken, Hafencity, Fischmarkt usw. eine mysteriöse Anziehungskraft auf mich. Einen Schuss von maritimem Kitsch, einen luftigen Hauch von großer Freiheit bei gleichzeitiger Erdung.
Im Sommer ist diese Stimmung am intensivsten, wie ich nach diesem meinem ersten Sommer hier festhalten kann. Als westfälisches Landkind born & bred, das normalerweise jeden Sommer nach den heimischen Feldern, Wäldern und Wiesen heult, wenn es irgendwo zwischen hohen Häusern festsitzt, hätte ich nie gedacht, dass es im Sommer in irgendeiner Stadt so schön sein kann. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass die Winter hier so verflucht kalt und lang sind und alle versuchen, so viel Licht mitzunehmen wie sie nur können.
Ja ja, bald kommt der Herbst und es wird wieder exzessiv geflucht über den Regen, die Kälte und die Stürme, von denen mich einer namens Niklas in diesem Jahr fast getötet hätte (2x!). Aber selbst schuld, denn *aha!* wenn hier eine Unwetterwarnung rausgeht, dann sollte man das tatsächlich ernst nehmen – eine der wichtigen Sachen, die ich im letzten Jahr hier gelernt habe. Ja, an die brutale Witterung muss man sich erst mal gewöhnen, genauso wie an die Kicker- und Trinkgewohnheiten (Astra & Mexikaner!!), aber ich arbeite dran.

Hamburg vs. Berlin

https://www.youtube.com/watch?v=07hn4uXJ-tQ

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