Ich schreibe einen Roman.

Gerade habe ich für ein Online-Magazin einen Text darüber geschrieben, was Autoren alles brauchen, damit sie gute Autoren werden. Welche Eigenschaften sie haben müssen, wie sehr sie an ihrem Ziel hängen müssen, wie sehr sie den Drang haben müssen, etwas zu erzählen etc.
Ich habe den Artikel damit abgeschlossen, dass ich diese Dinge in mir einfach bisher noch nicht gefühlt habe und auch wahrscheinlich nie fühlen werde. Offensichtlich bin ich nicht zum Schreiben eines Romans geboren, denn es gab bisher noch nicht DIE Idee, die ich verfolgen hätte können oder die in meinen Augen auch nur annähernd interessant genug gewesen wäre.
Zuviel habe ich als Hobbyleserin und als Lektorin schon gelesen, zu hoch ist mein Anspruch an das, was ich von mir zeigen und präsentieren will. Für mich war klar: Ich muss mich von der Vorstellung, als Autorin aufzutreten, verabschieden. Dass mir keine Idee gut genug war, ist wohl ein Zeichen dafür, eben nicht bereit dafür zu sein und es vielleicht auch nie zu werden.
Am Abend, nachdem ich den Artikel abgeschickt habe, hat mich jemand angesprochen, wieso ich denn noch kein Buch veröffentlicht hätte. Ich habe bloß abgewunken, aber abends hatte ich auf einmal so einen Ansatz, eine erste Idee ... Ich recherchierte viel im Netz. Und am nächsten Tag ließ ich den Artikel nochmal korrigieren und den Absatz rausnehmen, in dem stand, dass ich wohl keine Autorin werden würde, denn hinter diesen Sätzen konnte ich auf einmal nicht mehr stehen.

Ich hatte offensichtlich unrecht. Denn plötzlich habe ich sie, diese eine Idee, die mich antreibt und mich seither jeden Tag über die Handlung, das Gerüst und die Figuren nachdenken lässt. Auf einmal fühle ich mich genau so, wie ich die Autoren in meinem Artikel beschrieben habe. Es will raus aus mir, ich kann mir richtig gut vorstellen, das zu finalisieren, ein Buch daraus zu machen. Anscheinend war es ein Trugschluss, zu denken, dass das Fehlen von ausreichend guten Ideen ein Zeichen für mein Untalent als Autorin wäre.

Also: Wer denkt, dass etwas für ihn nicht geschaffen ist, sollte vielleicht einige Zeit später nochmals darüber nachdenken, es könnte sich so einiges geändert haben ...

Bücher schreiben