Immer was dazu

Ich brauche immer noch etwas dazu. Zum Film was zu futtern. Zum Spazierengehen die Aussicht auf ein Stück Kuchen zum Kaffee …, etc.. Immer möchte ich Begleitprogramm, sonst habe ich keinen rechten Bock. Ich merke das oft, weil ich nicht die Welt verdiene und das Rahmenprogramm gegen Monatsende in der Regel wegbricht. Dann werde ich antriebslos.

Vorsorglich hätte ich in weiser Voraussicht ja noch Zeug Zuhause. Ich könnte Spazierengehen und den Kaffee hinterher daheim nehmen. Aber irgendwie läuft das so nicht. Ich könnte ins Kino gehen und mir vorher ein Fläschchen lauen Tee abfüllen und günstigen Süßkram aus dem Supermarkt mit reinschmuggeln. Aber nö. Zieht nicht. Stört das Gesamterlebnis Kino. Das geht nur, wenn ich durchaus auch noch anders könnte. Das ist schon seltsam.

Ist es das bloße Geldrausschmeißen, das froh und geschmeidig macht? So als ob der Luxus, minderwertigen Scheiß überteuert bezahlen zu können, einem das gesicherte Dasein bestätigt? Wohingegen einem die Erfahrung auf dem Ersatztank zu laufen die Freude und die Lust aufs Leben schmälert. Will man als arme Sau des Endmonats einfach nicht mehr am sozialen Leben teilhaben? Eine Art Sparmodus, motiviert durch temporäre Depression? Wenig Geld zu haben macht nicht gleich arm. Aber lustlos. Und das, was durchaus noch ginge, will man dann auch nicht mehr.

Soziale Effekte? Ich lebe alleine und meinen Kaffee zuhause solo zu schlürfen ist eben kein Ersatz zum Café, wo andere Leute sind. Und wenn ich Süßkram im Kino kaufe, stelle ich mich erst in die Schlange und interagiere dann mit den Leuten hinterm Thresen. Da gibt es also ebenso nen Haufen sozialer "Plätzchen" abzuholen sozusagen.

Es ist aber auch konditioniert. So lange ich denken kann rahme ich freudige Ereignisse schon in Zusatzfreuden, um sie zu feiern. McDonalds war es früher. Egal was, ob Kinobesuch oder der Erwerb von Schnickschnack, es war erst perfekt mit der üblichen Fuhre Junkfraß.

Fressen ist das Zusatzfeature schlechthin. Ganz ursprünglich (Steinzeit) war Futter wohl die Hauptsache und der Rest das Rahmenprogramm. Wenn man da zu jemandem beispielsweise sagte: "Bleibst du zum Poppen?", oder "Kommst du noch zum Poppen mit?", dann war das der scheinheilige Versuch, den anderen in Wirklichkeit an das Kochfeuer zu kriegen. Heute ist es andersrum. Die Hauptsache verkam zur Nebensache, bzw. zum Rahmenprogramm. Weil essen muss man. An "Poppenmangel" geht man ja (leider) nicht ein.

Grübeln, Sinnieren und Tagträumen...