Intifada in Köln

Wie viel Hass, Verblendung, Fanatismus und Skrupellosigkeit ist wohl nötig, um plötzlich ein Messer zu ziehen und auf wildfremde und gutgläubige Menschen einzustechen? Wir können es derzeit fast täglich in den Nachrichten sehen, manchmal werden die Attacken sogar von Augenzeugen gefilmt. Blutlachen auf dem Asphalt, mit Tüchern notdürftig abgedeckte Körper, schwer bewaffnete Polizei und Soldaten – Bilder aus Israel und Palästina.

Nun leider auch aus Köln, wo heute Henriette Reker, parteilose Spitzenkandidatin für die Oberbürgermeisterwahl, bei einer Messerattacke schwer verletzt wurde. Frau Reker ist derzeit Sozialdezernentin in Köln und in dieser Funktion auch für Flüchtlinge zuständig. Sie hat sich immer wieder ausdrücklich für die Integration von Flüchtlingen und gegen Rassismus engagiert. Mittlerweile ist klar, dass der 44-jährige Messerstecher aus fremdenfeindlichen Motiven handelte. "Ich musste es tun, ich schütze euch alle!" soll er nach der Bluttat ausgerufen haben.

Wenn frustrierte junge Männer im Westjordanland oder dem Gazastreifen mit Steinen nach israelischen Soldaten werfen (und dabei ihr Leben riskieren, weil die Soldaten nicht mit Steinen antworten, sondern scharf schießen), kann ich das mit etwas gutem Willen noch nachvollziehen. Schließlich ist der Staat Israel a) auf jenem Territorium gegründet worden, das die Palästinenser ihre Heimat nennen, und b) seitdem überhaupt nicht zimperlich mit seinen Nachbarn und jenen Menschen umgegangen, die in den von Israel besetzten Gebieten leben. Der Griff zum Messer, um damit jüdische Siedler zu attackieren, ist nach einer perversen Logik sogar konsequent. Gewalt erzeugt Gewalt erzeugt Gewalt erzeugt Gegengewalt erzeugt Gegengewalt erzeugt Gegengewalt – bis in alle Ewigkeit. So ähnlich wie in den USA, wo nach jedem Amoklauf mehr Waffen gekauft werden, um sich besser vor Amokläufern schützen zu können.

Wenn ein Deutscher im Schatten des Kölner Domes am Tag vor der Oberbürgermeisterwahl mit einem Messer auf die aussichtsreiche Spitzenkandidatin einsticht, während diese Rosen an Passanten verteilt, ist das schockierend. Dass der Mann seinen Mordversuch damit rechtfertigt, er wollte die Menschen in Köln vor Flüchtlingen schützen, ist unfassbar. Ein arbeitsloser Maler und Lackierer – bittere Ironie des Schicksals. Dieses Land wurde bereits einmal von einem Berufskollegen des Kölner Messerstechers ins Verderben geführt, auch Hitler war Rassist. Wehret den Anfängen!

Messerstecher von Gaza bis Köln