It's called Fortschritt

Ken Olsen, einer der IT-Gurus der 70er und 80er und einst Idol von Bill Gates, sagte 1977: „There is no reason for any individual to have a computer in his home.“ Die heute sehr amüsante Aussage wird stark relativiert, wenn man weiß, dass Olsen eigentlich über Computer redete, die alle Aspekte eines Hauses managen – also Heizung, Fenster, Essensbestellung etc. – und nicht Computer für den persönlichen Gebrauch generell. Trotzdem steht das Zitat für eine Tendenz, die sich seit dem Aufkommen von Computern nachweisen lässt: Eine Aussage darüber, dass fortschrittliche Geräte oder Anwendungen für den persönlichen, privaten Gebrauch überflüssig sind und bleiben, wird auf kurz oder lang widerlegt werden.

Ähnlich steht es mit Smartphones. Angesichts des ersten iPhones, dass das Konzept von „richtigem“ Internet überall popularisierte, fragten viele Menschen: Brauchen wir das wirklich? Die relativierende, aber richtige Gegenfrage lautet: Wofür? Zum Überleben? Nein. Um Teil einer Gesellschaft zu sein? Nein. Als Mensch, der „mitreden“ möchte über Trends und Entwicklungen und der sich nicht selbst ausschließen möchte aus bestimmten Kreisen? Vielleicht. In einem Job oder Lifestyle, in dem man über Trends und Entwicklungen mitreden muss oder möchte? Ja.

Wie jede Person mit den Möglichkeiten eines Smartphones umgeht, ist natürlich eine andere Frage. In einem Arbeitsumfeld habe ich volles Verständnis, wenn mein Gespräch mal für ein Telefonat unterbrochen wird – Menschen müssen Prioritäten setzen, und es ist illusorisch zu denken, dass das eigene Anliegen immer das wichtigste ist.

Im Privaten ist das etwas anderes. Das klassische Café/Restaurant-Beispiel habe ich auch bereits erlebt, und es sagt mir vor allem eines: Jede theoretische Nachricht auf Facebook, Whatsapp, etc. ist anscheinend wichtiger als die persönliche Unterhaltung mit mir. Wobei die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem ja mittlerweile sehr unscharf geworden sind – aber das ist ein ganz eigenes Thema.

Besonders im Umgang mit vertrauten Menschen tendiere ich allerdings dazu, Verständnis zu zeigen: Sie müssen mir nicht mehr beweisen, dass ich ihnen wichtig bin. Und im Übrigen: Sich gegenseitig ignorieren kann man auch sehr gut ohne Smartphone.

Es ist also wie immer: Die Welt ist grau, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, und der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Das ändert nicht nur unsere Geräte, das ändert auch unser Verhalten. Früher war alles besser.

Smartphone

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