(K)ein Teil der Familie

Nana – für viele Kinder vor allem in lateinamerikanischen Staaten ist der Rufname der Haushälterin das erste Wort, das sie lernen, denn ihre Mama ist meist abwesend. Eine uns fremde Realität, die uns viele Filme aus diesen Breiten ganz selbstverständlich zeigen, zuletzt Sebastián Silva in seiner meisterhaften Tragikomödie "La Nana - Die Perle". Ebenso wie in Chile ist es auch in Brasilien normal, dass die Kinder besserverdienender Eltern von ihrer Kinderfrau großgezogen werden. Die Frauen lassen dafür ihre eigenen zurück, um sich um die Kinder anderer Eltern zu kümmern, die wiederum keinen Bezug zu ihren eigenen haben. So entstand über Generationen hinweg ein gesellschaftlicher Missstand, den Anna Muylaert in ihrem Film "Der Sommer mit Mama" behandelt.

Sie schildert das Aufeinandertreffen von Mutter und Tochter im Haus einer reichen Familie. Während Val sich in ihrer Tätigkeit als Nana unterordnet, wirft das rebellische verhalten ihrer Tochter Jéssica interessante Fragen auf. Sie verachtet die unterwürfige Art der Mutter, verhält sich aber auch verwöhnt und undankbar ihrer Umwelt gegenüber. Val versteht sie nicht, muss sich aber dennoch mit ihr arrangieren, um sie nicht von sich zu stoßen. Dieses ambivalente Spiel wird von der Hauptdarstellerin Regina Casé meisterhaft bewältigt. Ein vielschichtiges Drama, das immer wieder von leichten Momenten aufgehellt wird.

Der Sommer mit Mama