Keine Kompromisse

Die Frauenbewegung ist ja nicht gerade ein Thema, das normalerweise die Kinokassen klingeln lässt. Und auch von diesem Historiendrama über die berüchtigten Suffragetten hätte man wahrscheinlich nicht all zu viel gehört, wären die radikalen Frauenwahlrechtskämpferinnen nicht mit äußerst prominenten Gesichtern besetzt. Der britischen Regisseurin Sarah Gavron ist es gelungen, mit Meryl Streep, Helena Bonham Carter und Carey Mulligan ("The Great Gatsby") ein paar große Namen auf die Besetzungsliste zu hieven, und so kann man vielleicht darauf hoffen, dass ihrer filmischen Auseinandersetzung mit diesem ebenso wichtigen wie explosiven Kapitel der Emanzipationsgeschichte die Aufmerksamkeit zuteil wird, die sie verdient.

In düster-dunstigen Bildern fängt Gavron den Alltag von Londoner Arbeiterinnen ein, die Anfang des 20. Jahrhunderts in einer Wäscherei schuften und an den schweren, unzureichend gesicherten Maschinen täglich ihre Gesundheit riskieren. So wie Maud Watts (stark: Carey Mulligan). Von einem selbstbestimmten Leben zu träumen kommt der jungen Mutter aber erst in den Sinn, als ihre Arbeitskollegin sie zu einem konspirativen Treffen einiger Aktivistinnen (u.a. Helena Bonham Carter) mitnimmt, die sich für das Frauenwahlrecht einsetzen. Geistige Führerin der Bewegung ist die untergetauchte Emmeline Pankhurst (Meryl Streep), die ihre Nacheifererinnen unter dem Motto „Taten statt Worte“ zu militanten Aktionen inspiriert. Schnell fängt Maud Feuer. Doch der Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung fordert große Opfer.

Die Suffragetten griffen nämlich durchaus nicht nur zu friedlichen Mitteln, sondern machten ohne zu zögern von allen Waffen des Guerillakriegs Gebrauch. Zitat Emmeline Pankhurst: „Die Landarbeiter hatten das Wahlrecht gewonnen, indem sie Heuschober anzündeten, Krawalle anzettelten und so den englischen Politikern ihre Stärke demonstrierten in der einzigen Sprache, die diese verstehen.“

Zahlreiche Gefängnisaufenthalte, inklusive Hungerstreiks und schweren Misshandlungen, und soziale Ächtung waren die persönlichen Folgen dieses kompromisslosen Feldzugs für ein Recht, das wir heute als selbstverständlich erachten. Bis zum erschütternden Schlussakkord erzählt Sarah Gavron diesen Kampf aus der Perspektive von Maud Watts, was leider einen kleinen Wermutstropfen mit sich bringt: Meryl Streep als legendäre Obersuffragette Mrs. Pankhurst hätte man schon gern mehr als nur ein paar Minuten im Bild gesehen.

Suffragette - Taten statt Worte

http://www.filmstarts.de/kritiken/222967.html

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