Klassenfahrt des Grauens

Regisseur Bora Dagtekin scheint gute Connections nach Thailand zu haben: In der Fortsetzung des Blockbusters „Fack ju Göhte“ wiederholt er sein schon in „Türkisch für Anfänger“ nicht ganz so stimmiges Erfolgsrezept und verpflanzt seine in hiesigen Gefilden begonnene Hit-Story ins exotische Asia-Ambiente (Motiv: Klassenfahrt). Diese Kulisse bietet natürlich den idealen Nährboden für viele politisch unkorrekte Gags über „Thai-Nutten“, „Schlitzaugen“ usw., wobei der einzige Witz darin besteht, diese und andere Tabuwörter möglichst oft und laut zu verwenden.

Die Geschichte selbst ist ein zerfaserter 08/15-Flickenteppich, trifft nie den richtigen Ton und versucht peinlicherweise gegen Ende auch noch, so was wie moralische Botschaften zu verkaufen. Zum Beispiel geht es da um irgendwelche Tsunami-Waisen, die vor einem schrecklichen Sklavenschicksal auf einer Haschfarm gerettet werden müssen. Diese Erkenntnis kommt Zeki „Haltet die Fresse, ihr Arschlöcher!“ Müller ausgerechnet in einem McDonalds, wo der Chaos-„Pädagoge“ mit den Waisenkindern viel Zeit beim genüsslichen Verspeisen von McNuggets usw. verbringt. Denn diese armen Kids wünschen sich ja nichts sehnlicher, als jeden Tag BigMac mit Pommes... Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Auch Super Dickmanns schmecken Zeki & seiner Rasselbande so super, dass wir sie immer wieder unter den Requisiten entdecken können.

Aber das aufdringliche Product Placement ist längst nicht das Nervigste an dieser lieblos zusammengeschusterten Fortsetzung. Während sympathische Figuren aus dem ersten Teil, wie die verhuschte Deutschlehrerin Lisi Schnabelstedt, nur noch am Rande auftauchen, wird das Buffalo-Dummchen Chantal, Publikumsliebling aus Teil 1, zur fast alleinigen Hauptfigur neben Zeki Müller aufgeblasen. Deren hysterisches Gekreische und gesammelte Dämlichkeiten bescheren nicht nur dem Brachialpädagogen schon nach wenigen Filmminuten die totale Nervenkrise.

Spätestens ab der Szene, in der sich jene grellgeschminkte Vollhorstin einen Tischtennisball in die „Mumu“ steckt (der dann natürlich mit vereinten Kräften wieder zum Vorschein gebracht werden muss... irgh!) war der Film für mich gehakt. Allerdings kam diese Szene schon ziemlich am Anfang, und es sollten ihr noch viele weitere Peinlichkeiten folgen, über die höchstens noch lachen kann, wer auch die nur noch auf DVD erschienenen „American Pie“-Filme lustig fand.

Sorry, Herr Dagtekin, aber so viel Fremdscham halte ich körperlich einfach nicht aus, gleiches gilt für das ganze ohrenbetäubende Geschrei um nichts, das Sie in dieser zu 95 % unlustigen Komödie veranstalten, ganz zu schweigen von der echt schlimmen Musikauswahl. Da hilft auch der nackte Hintern von Elyas M'Barek am Ende nichts mehr.

Fack ju Göhte 2

https://www.youtube.com/watch?v=C7kPJfcgmjE