Kopenhagener Elite auf Menschenjagd

„Schändung“ - so ein wuchtiges Wort macht sich natürlich gut auf dem Titel eines Krimithrillers. Es leuchtet einem von weitem in der Auslage der Buchhandlung entgegen und animiert Fans der als kompromisslos bekannten skandinavischen Thrillerfraktion nachdrücklich zum Kauf. Wer oder was wird geschändet, wie viel sehen wir davon und welchen Einfluss hat die Abartigkeit des Falls auf die Psyche des ohnehin schon traumatisierten Kommissars?
All diese Fragen stellen sich womöglich die Menschen, die die Bücher von Jussi Adler-Olsen kaufen und vielleicht ja auch die soeben erschienene DVD zur nach „Erbarmen“ zweiten Verfilmung mit dem Titel „Schändung“. Die kann man sich durchaus auch als Adler-Olsen-Nichtkenner*in zu Gemüte führen, ohne dass etwas wie Langeweile aufkommt.
Gegenüber „Erbarmen“ liegt mit „Schändung“ der deutlich spannendere Fall vor, vor allem deshalb, weil sich die Erzählung mehr auf die hier sehr gruselige Psychologie der Täter konzentriert als auf die des innerlich zerrütteten Ermittlers.
In Kommissar Mørcks neuem „Cold Case“ geht es um ein Geschwisterpaar, das einst in der Nähe eines Eliteinternats geschändet (was sonst?) und ermordet aufgefunden wurde. Zwanzig Jahre nach der Tat rollt Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) den Fall wieder auf. Bald kommt der Verdacht auf, dass die wahren Täter damals nicht gefasst wurden. Mørcks Ermittlungen führen ihn in elitäre Kreise Kopenhagens, wo man offenbar damals wie heute ein verstörendes Faible für die Menschenjagd pflegt. Um die Schänder zu überführen, bleibt dem Kommissar nur eine Chance: Er muss Kimmie (Danica Curcic), die einzige Zeugin der damaligen Tat, finden – bevor deren einstige „Freunde“ sie kaltstellen.
Aus diesem zackig inszenierten Wettlauf generiert der Dänenthriller seine insgesamt beachtliche Spannung. Dabei gibt es ein paar fragwürdige Wendungen, und im Finale schießt Regisseur Mikkel Norgaard etwas übers Ziel hinaus. Das stört den Thrillerfan indessen kaum, denn der Weg dorthin ist abgründig und schon ziemlich packend, vor allem dank überdurchschnittlicher Performances der Darsteller*innen, allen voran Danica Curcic.

Schändung

http://www.schaendung-derfilm.de/-/

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