Krankheit Krebs

Am Freitag war ich mit F., einer jungen Frau aus Syrien in der Charité. Sie hat jeden Freitag Chemo (fortgeschrittenes Stadium Krebs) und trifft dort jeden Freitag auf Leidensgenoss*innen, die ebenfalls jeden Freitag Chemo bekommen. Ich habe dabei eine vorwiegend arabisch und französisch sprechende Frau, (die sich außerdem auch noch gute Deutschkenntnisse angeignet hat) kennen gelernt, die mit F. befreundet ist und mit der ich mich auch angefreundet habe. Wir sprachen auf dem Flur während der Wartezeit über Kommunikation und ich sagte ihr, dass es sehr interessant sei, was und wie Menschen antworten, wenn sie gefragt werden: "Wer bist Du?" oder "Was bist Du?".... Sie hatte mich nämlich gefragt, woher ich komme. Ich sagte Ihr dann: Weißt Du, was ich zumeist antworte, wenn ich gefragt werde, woher ich komme?... und ihr in's Ohr flüsternd weiter: "Ich sage dann: Ich komme aus dem Bauch meiner Mutter. Aber erzähle dies bitte niemandem weiter." Die junge Frau wurde darauf hin von einem Lachanfall geschüttelt, der es in sich hatte. Sie steckte mich damit an und ich musste auch mindestens 5 Minuten lang lachen. Uns rannen während des Lachanfalles die Tränen die über die Wangen und viele weitere Menschen auf dem Flur begannen auch schon zu kichern.

Vorher hatte ich bereits den Professor der Gynonkologie persönlich kennen gelernt. Er war sehr nett. Als er mitbekam, dass ich ehrenamtliche Helfer*in bin, wurde er sehr freundlich und nahm sich innerhalb der Visite Zeit für ein Gespräch mit mir. Er wirkt nämlich nach seiner Arbeit in der Charité auch noch in einer Notunterkunft mit, schimpfte jedoch auf Araber, "Die sind nie pünktlich", sagte er. Das musste ich jedoch zurückweisen. Die arabischen Dolmetscher (zwei junge Mediziner, davon einer selbst geflüchtet und in einer NUK untergebracht), waren superpünktliche am Start, während ich 5 Minuten zu spät zum verabredeten Termin um 8:55 erschienen war. Doch dann: Ungeschlagene 2 (in Worten zwei) Stunden auf die Chemo warten bzw. die Zeit durch unschlagbare Kommunikation überbrücken und verkürzen.

Die Begleitung einer krebskranken Frau kann also auch sehr lustig sein und ich bin dabei um eben diesen Erfahrungsschatz reicher geworden. Allerdings frage ich mich, wer wann wo und wozu den Spruch "Zeit totschlagen" erfunden hat. Ich habe dann unter "Redensarten" geforscht und bin fündig geworden: "umgangssprachlich; Der Begriff Zeitvertreib ist erst eine Erfindung des 18. Jahrhunderts, aber den Reichen und Adligen war Sport, Spiel und Unterhaltung auch vorher natürlich nicht unbekannt. Das redensartliche Bild meint, dass man die 'Person Zeit' vertreiben oder gar töten kann, damit sie einen nicht länger durch ihre Anwesenheit belästigt." (1)

Aber bei Krebs im fortgeschrittenen Stadium geht es um Lebenszeit und -qualität, so lange es noch möglich ist... und lachen ist bekanntlich gesund.

Hintergrundartikel dazu: http://wp.me/p1VICa-Fi

Krebs,

http://de.wikihow.com/Zeit-totschlagen

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