Kunstsatire nach Daniel Kehlmann

Er hat sie alle gekannt - und sie ihn. Im rasant montierten Vorspann verfolgen wir die unglaubliche Karriere des Malers Manuel Kaminski (Jesper Christensen, „Mr. White“ in den neueren Bond-Filmen) im Zeitraffer und erfahren, wie er seinerzeit in der Kunstszene zu weltweitem Ruhm gelangte. Wir sehen Kaminski mit seinen Förderern Picasso und Matisse, mit Andy Warhol, in einer Fernsehshow mit Woody Allen und beim gutgelaunten Posieren mit den Beatles. „Painted by a blind man“ - so signierte der große Künstler seine Werke, als er aufgrund einer Krankheit seine Sehkraft verlor, und schuf so seinen eigenen Mythos.

Nein, diesen Manuel Kaminski hat es in Wahrheit nie gegeben: Er ist eine Erfindung von Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“), dem mit dem Roman „Ich und Kaminski“ 2003 der internationale Durchbruch gelang. „Good Bye, Lenin“-Regisseur Wolfgang Becker hat sich der tragikomischen Kunstsatire angenommen, und die zweite Hauptrolle - das „Ich“ an der Seite Kaminskis - mit einem alten Bekannten besetzt: Daniel Brühl.

Der Film beginnt irgendwann in letzter Zeit. Manuel Kaminski hat sich auf einen idyllischen Landsitz in den Alpen zurückgezogen, malt nicht mehr und ist ein gebrechlicher, alter Mann geworden. Praktisch für den überambitionierten Kunstgeschichtler Sebastian Zöllner (Brühl), der sich in den Kopf gesetzt hat, eine Biografie über Kaminski zu schreiben. Und das schmierige Schlitzohr weiß: So ein Buch verkauft sich erst richtig gut, wenn der Biografierte tot ist! Kann ja nicht mehr lange dauern, denkt sich Zöllner, will aber vorher noch eine gewagte These beweisen: Der blinde Maler Kaminski ist gar nicht wirklich blind!

Ganz witzig beginnt diese Verfilmung des Kehlmann-Romans, aber auf dem langen und nicht immer glaubwürdigen Weg zur „Wahrheit“ verliert der Mix aus Kunstsatire und Buddy-Roadmovie immer mehr an Tempo und Leichtigkeit. Gags über den Kunstbetrieb streut Regisseur Wolfgang Becker zwar reichlich in seine etwas zerfaserte Tragikkomödie, es zünden aber längst nicht alle. Das liegt allerdings nicht an Daniel Brühl, der sich hier auch für albernsten Slapstick nicht zu schade ist. Neben der Figur des geckenhaften Pseudobiografen verblasst sein älterer Konterpart Jesper Christensen leider ein bisschen - wer das Buch kennt, hatte sich den alten Kunst-Haudegen sicher irgendwie schillernder vorgestellt.

Ich und Kaminski

http://www.filmstarts.de/kritiken/101482-Ich-und-Kaminski.html