LaGeSo: Symbol des Versagens

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin, auch LaGeSo genannt, ist mittlerweile bekannt und berüchtigt aus Medien weltweit. In dem Amt im Stadtteil Moabit befindet sich die ZAA, die Zentrale Annahmestelle für Asylbewerber. Hier werden Menschen registriert, die in Deutschland Asyl beantragen wollen und in Berlin angekommen sind. Sie bekommen einen Platz in einer Unterkunft zugewiesen, meist ein so genanntes Flüchtlingsheim, ihre elementare Grundversorgung wird gesichert und sie werden auf den Behördenweg in Richtung Asylantrag geschickt.

So jedenfalls sollte es idealerweise laufen – tut es aber seit Monaten schon nicht mehr. Von einer mir nahestehenden Person, die auf demselben Gelände arbeitet, kriege ich etwa seit Frühjahr täglich Updates über die Situation am LaGeSo. Ich hörte von überlangen Warteschlangen, von hunderten, bald tausenden kampierenden Menschen ohne Wasser- und Toilettenversorgung, noch bevor das Wort „LaGeSo“ zum Allgemeinplatz in den Medien wurde.

Ich hörte aber auch von der Gruppe von Freiwilligen, die sich den Namen „Moabit hilft!“ gaben und nach und nach ein Versorgungsnetz aufbauten – was eigentlich die Aufgabe des LaGeSo gewesen wäre. Von deren Seite wurde zunächst Barrikaden aufgebaut und die Zahl der Security-Menschen erhöht. Beides letztendlich verständlich, aber natürlich ein verheerendes Signal, wenn es gleichzeitig an Essen, Wasser und Schlafplätzen mangelt!

Verständlich ebenso, dass das Amt völlig überfordert war: Teilweise kamen in wenigen Tagen so viele geflüchtete Menschen am LaGeSo an wie im gesamten Jahr 2014. Dennoch ist der Vorwurf richtig, dass Verantwortliche in Behörden und Politik viel zu spät reagierten – und dann auch noch falsch. Erst vor einer Woche, am 15. Oktober, wurde eine zweite Aufnahmestelle in Berlins Südwesten eröffnet, um das LaGeSo zu entlasten. Immerhin: Der Andrang am LaGeSo scheint nicht mehr so massiv wie noch vor Wochen. Bleibt zu hoffen, dass das anhält: Bei dem derzeitigen Wetterumschwung mit Regen und niedrigen Temperaturen könnte die Situation sonst noch deutlich kritischer werden.

Das LaGeSo ist ein Symbol für ein Problem Berlins und ganz Deutschlands: Für das Versagen von Verwaltung und Politik angesichts einer globalen humanitären Katastrophe, die sich auch hier, in einem der reichsten und hochentwickeltsten Länder der Welt, noch als humanitär angespannte Situation äußert. Es geht bei dem Drama um das LaGeSo nicht primär um Asyl oder Zuwanderung, es geht um die Sicherung der notwendigsten Bedürfnisse von Tausenden Menschen, die hier sind, ganz real. Menschen in Not wird geholfen – sollte eigentlich eines der Grundgebote jeder Gesellschaft sein. Zum Glück hat die Berliner Stadtgesellschaft bewiesen, dass sie angesichts behördlichen Versagens auch zu Eigeninitiative fähig ist.

Flüchtlingsdebatte

http://moabit-hilft.com/

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