LeiDkultur in Bayern

Die CSU will nicht nur bayrische Grenzen stärker überwachen, sondern will auch ein "freistaatliches" Integrationskonzept auf dem Weg bringen. Sicher beziehen sie sich auf "fördern und" - deshalb auch -: "Fordern" und werden behaupten, dass es nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten gibt. Sie will nach Bayern geflüchtete oder zugeteilte Menschen dazu verpflichten, einen Deutschkurs und einen "Grundwertekurs" zu machen. Dabei ist gerade die CSU - was Frauengleichberechtigung sowie der Trennung von Staat und Religion betrifft - selbst sehr schlecht aufgestellt und müsste sich - wegen dem "C" in ihrem Parteinamen eigentlich schleunigst aus der Regierungsverantwortung entlassen oder umbenennen.

Gehen wir also zunächst auf die deutsche Sprache ein, bevor wir uns dann wieder mit "Grundwerten" beschäftigen: Ich selbst habe längere Zeit in Bayern gelebt und hatte oftmals Schwierigkeiten, deren deutsch zu verstehen. Aber mir fällt dabei auch eine nette Episode ein. Als ich 1997 Kriegsflüchtlingskinder aus Jugoslawien in einem Berliner Asylheim betreute, erzählten mir eines der Mädchen recht traurig, dass sie oft beschimpft würde, weil sie angeblich kaum deutsch spricht. Ich empfahl ihr dann, folgenden Satz zu lernen: "A Mamaladenama hama a daham" und mit diesen jeden Kritiker ihres Sprachschatzes zu konfrontieren und nachzufragen: "Verstehen Sie den?" "Das ist aber deutsche Sprache. Bayrisch. Und heißt übersetzt in's Hochdeutsche: 'Einen Marmaladeneimer haben wir auch zu hause.'" Das Mädchen lernte diesen Satz sehr schnell und erzählte ihn den anderen Kindern weiter. Noch nach einer Woche hörte ich die Kinder diesen Satz auf dem Flur laut rufen, der anschließend von einem schallenden Gelächter begleitet wurde.

Nun ja, ich wünsche mir, dass diese Menschen schnell gutes deutsch lernen, um z.B. die Schriften von Kurt Tucholsky und auch "Erfolg" von Lion Feuchtwanger lesen zu können. Immerhin ist letzteres Buch ein Roman eines Zeitzeugen aus Bayern (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Erfolg_(Roman) ). Oder sie könnten dann auch in Archiven alles zum bayrischen Kruzifix-Streit nachlesen.

Deutsche Grundwerte: Ich erinnere mich auch gerade an die Fassungslosigkeit von Yassin - einem somalischen Lehrer und Entwicklungshelfer - angesichts der Tragödie bei der Love-Parade in Duisburg 2010, da niemand die Verantwortung dafür übernehmen wollte. "Es müsste doch zumindest der Bürgermeister den Familien der Opfer Trost spenden und sich bei ihnen entschuldigen" entfuhr es ihm. Solch eine Verantwortungslosigkeit war ihm fremd. Er verstand dies nicht. Er selbst war sehr verantwortungsbewusst und ging später zurück nach Somalia, um dort Schulen, Brunnen sowie Häfen zu bauen und um die dortigen Islamisten - die Al-Shabaab-Milizen zu bekämpfen.

Weiteres zu "deutschen Grundwerten" etwas grundsätzlicher: Ich überlege mir gerade, ob es nicht sinnvoll wäre, eine Geflüchtetenkonferenz in Analogie der Kongokonferenz ( https://de.wikipedia.org/wiki/Kongokonferenz ) zu organisieren. Dort könnte dann entschieden werden, welche Gruppen der Neuankömmlinge welche Bundesländer kolonialisieren und welche Integrationsmaßnahmen für "Deutschländer" geeignet wären. Ich bin mir sicher, dass von allen geflüchteten Menschen niemand so weit gehen würde, die Sachsen in einer Einöde umkommen zu lassen, wie dies an den Herero und Nama von 1904 via Vernichtungsbefehl ( https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord_an_den_Herero_und_Nama#Proklamation_des_Vernichtungsbefehls ) praktiziert wurde, obwohl mir gesagt wurde, Sachsen wären integrationsresistent. Denn bislang hat mir noch jeder geschichtsbewusste Geflüchtete gesagt, niemand von ihnen wolle die deutschen Grundwerte des letzten Jahrhunderts an den Deutschen selbst verüben, denn dies seien Kapitalverbrechen gegen die gesamte Menschheit gewesen. Tatsächlich wollen die meisten von ihnen einfach nur glücklich leben und keine LeiDkultur erdulden - zu denen übrigens auch die in deutschen Kolonien praktizierte Prügelstrafe gehörte. ( http://www.grin.com/de/e-book/80312/pruegelstrafe-und-zuechtigungsrecht-in-den-deutschen-kolonien-afrikas )

Und da die Bruderpartei der CSU, die CDU, diesem LeiDantrag folgen will ( http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-fluechtlinge-sollen-deutsche-grundwerte-unterschreiben-a-1062504.html ), lohnt es sich vielleicht, den LeiDkultur-Artikel auf meinem Blog zu lesen: http://wp.me/p1VICa-DI

(updated und noch hinzugefügt): Allerdings scheint sich die Stadtverwaltung in München (und München ist SPD-regiert und deshalb nicht wirklich bayrisch) in puncto "Knigge" und deutsche Benimm-Regeln mehr Mühe gegeben zu haben, als die Gemeinde Hardheim in Baden-Württemberg, bzw. dessen Bürgermeister Volker Rohm, wie aus dem 2. Video unten auf der Seite der "Welt" zu sehen ist: http://www.welt.de/politik/deutschland/article150136471/Wie-Bayern-Fluechtlingen-die-Demokratie-erklaert.html

Hardheim hat übrigens ein Gästebuch, das hoffentlich auch Kritik nicht zensiert (Bearbeitungsdauer eines Kommentares: 3 Tage): http://www.hardheim.de/sites/gb_view.asp?SID=cms281220152114278487970&gbstart=1

Flüchtlingsdebatte

http://www.deutschlandfunk.de/fluechtlinge-csu-will-verpflichtende-deutsch-und.447.de.html?drn:news_id=563076

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