Let's do this - Englische Bücher lesen

"Können Sie mir vielleicht helfen und ein Buch empfehlen? Ich suche etwas, um mein Englisch ein wenig aufzubessern." - Diesen Satz höre ich relativ oft in der kleinen Buchhandlung, in der ich in London arbeite. Als ich in den Neunzigern nach England kam (damals noch mit einem Schüleraustausch), dachte ich auch, dass ich mein Englisch 'mal eben' mit einem Buch verbessern könnte. Die Verfilmung von 'Trainspotting' war gerade erschienen und ich war unsterblich in Ewan McGregor verliebt. Natürlich dachte ich, es sei eine gute Idee, das gleichnamige Buch von Irving Welsh zu lesen. Hätte ich mir das Buch beim Kauf vielleicht ein wenig näher angesehen, hätte ich festgestellt, dass es hinten ein Glossar hatte. Viel schlauer wäre es gewesen, vielleicht auch die ersten drei, vier Seiten vor dem Kauf zu lesen. Schnell hätte ich gemerkt, dass es im schottischen Slang geschrieben ist und 'Trainspotting' somit nicht zur einfachsten Lektüre für fünfer Englischkandidatinnen macht.

Buchempfehlungen auszusprechen, ist keine einfache Sache. Wer will schon dafür verantwortlich sein, dass eine ihr Geld in den Sand setzt und ein Buch kauft, das dann doch ungelesen in den Bücherschrank wandert.

Generell gilt beim Kauf von Fremdsprachenlektüre: Wer gerne Liebesromane schmökert, wird wahrscheinlich in den seltensten Fällen Räuberpistolen lesen. Will sagen, wer bestimmte Genrevorlieben hat und nicht gerade auf neue Abenteuer aus ist, sollte bei seinen Leisten bleiben und auch ihr englisches Buch aus diesem Genre wählen. Ich rate auch immer dazu, einen Blick auf die ersten paar Seiten zu werfen, um ein Gefühl für den Schreibstil der jeweiligen Autor*in zu bekommen. Aussortiert wird, was einen unter- sowie überfordert.

Gerne empfehle ich Comics und Graphic Novels Leser und Leserinnen, die nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Seit 'Maus' von Art Spiegelmann weiß man, dass der Comic eben genauso viel kann wie Vladimir Nabokov (den ich auf Grund seiner Worteskapaden nur bedingt empfehlen würde). Das Zusammenspiel von Text und Bild fördert das Leseverständnis und macht deshalb oftmals mehr Spaß, als nur Text zu lesen. Ausserdem hat der Comic mittlerweile alles, was das Leseherz begehrt: historische Comics, Coming of Age Stories, Science Fiction und Reportagen und noch vieles mehr. Da ist wirklich für jeden was dabei.

Wer lieber Belletristik liest, der sollte vielleicht Murakami in Betracht ziehen. Sein Schreibstil ist nicht überfrachtet und die Sätze oftmals sehr kurz, quasi wie bei Hemingway. Ausserdem scheint Murakami wie die Kombination aus Schokoladen- und Erdbeereis zu sein - mag irgendwie jede*r (außer Sigrid Löffler und mir). Dave Eggers 'The Circle' wäre vielleicht auch etwas. Eggers ist eher der Holzhacker im Blätterwelt, zumindest wenn es um seinen Stil geht. Deswegen sind seine Sätze auch nicht zu kompliziert und das Thema, das er in 'The Circle' aufgreift, aktuell. Der Roman ist eine Dystopie, die die Folgen von vollständiger Transparenz im Internet auf unsere Gesellschaft beleuchtet.

Bücher, die man bereits im Deutschen gelesen hat, bieten sich ebenfalls an, in einer Fremdsprache gelesen zu werden. Da diese Geschichten schon bekannt sind, braucht man sich keine Sorgen machen, dass man etwas verpasst und kann sich ganz auf das neue Leseerlebnis einlassen. Wer sich gerne mit Sprache beschäftigt, wird auch schnell anfangen, sich näher mit der Übersetzung des jeweiligen Buches zu beschäftigen. Ein weiterer Pluspunkt, wenn man nicht weiß, was man kaufen soll. Auch Bücher, die bereits verfilmt worden sind, sollte man sich näher ansehen. Aber wie oben bereits angemerkt, sollte man diese Regel mit Vorsicht genießen. Nur weil man die Verfilmung von 'Romeo und Julia' gesehen hat, heißt das nicht, dass meine seine Freude an Shakespeare im Original haben wird.

Wer wirklich relativ am Anfang steht und sich noch keinen ganzen Roman im Englischen kaufen mag, dem seien die sogenannten 'Quick Reads', die es in englischen Buchhandlungen zu kaufen gibt, ans Herz gelegt. Diese schmalen Bücher kosten um die zwei Pfund und richten sich vornehmlich an die Menschen, die nur bedingt gerne Lesen oder sogar Schwierigkeiten haben, in den Lesefluss zu kommen. Diese kurzen Geschichten sind von bekannten englischsprachigen Autor*innen verfasst worden und sollen einfach nur Spass am Lesen vermitteln. Die Sätze sind nicht lang und die Vokabeln nicht allzu kompliziert, genau richtig für den Einstieg in die englische Buchwelt.

Ganz der Muttersprache habe aber auch ich nicht abgeschworen, denn der englische Buchmarkt ist leider immer noch sehr homogen. Sprich: Viele Bücher aus anderen Sprachen werden erst gar nicht ins Englische übersetzt (obwohl sich auch hier langsam eine Kehrtwende vollzieht), da ist der deutsche Buchmarkt tatsächlich weiter. Murakami, Houllebeqece und Kundera erscheinen in der Übersetzung schneller in Deutschland als in England. Astrid Lindgren kennt man hier nur für Pippi Langstrumpf und von Christine Nöstlinger brauchen wir erst gar nicht reden.

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