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Liebe Instabook-Community

Liebe Instabooker,

nennt man Eure Community eigentlich so? Die Leseratten von YouTube bezeichnen ihre Community ja als Booktube, da macht Instabooker irgendwie Sinn.

#Lesen mit Instagram scheint vor allen Dingen eins zu sein: Käffchen neben dem Buch. Anschließend wird noch schnell der Sepia-Filter drüber gelegt, relevante Hashtags eingefügt und vielleicht als aussagekräftige Beschriftung ein Zitat gewählt. In schwachen Momenten habe ich mich auch schon schuldig gemacht und meine Bücher auf Instagram präsentiert. Statt Käffchen nehme ich aber lieber mein Kätzchen, das gibt mehr Likes.

Bücherlesen im 21. Jahrhundert: Weg mit dem Image der Intellektuellen, die in ihren Chesterfields einsam am Weinglas nippen, her mit denen, die Lesen aus seiner Schmuddelecke holen.
Welche Schmuddelecke? Naja, Lesen an sich ist ein unsozialer Vorgang: Wer will schon beim Lesen gestört werden?

Das kann schon mal für Verstimmungen im Freundeskreis sorgen:
“Kommst Du gleich mit raus Tanzen?”
“Ne, lass mal. Ich hab noch ein Date mit Kapitän Ahab.”
“Hast Du den auf Tinder kennengelernt?”

Instagram macht Schluss mit dem Image des vereinsamten Bücherwurms, hier tummeln sich die Leute, die gierig nach der sozialen Interaktion sind. Aber bitte keine Kritik in Form von negative Kommentaren, das versteht sich von selbst.

Warum machen sich Literaturkritker*inen eigentlich Sorgen um ihren Berufsstand? Ich versuche ja auch niemanden, der Fifty Shades of Grey als Lieblingsbuch hat, Thomas Pynchon zu verkaufen. Okay, das war tief geschossen. Nicht alle Bücher, die ich auf Instagram, YouTube und Blogs sehe, sind schlechte Bücher. Manches, was ich sehe, weckt auch mein Interesse.
Mein Punkt ist eher der und bezieht sich gerade auf Instagram: Niemand, der auf dieser Platform postet, will das komplette FAZ-Feuilleton lesen.

Instagram funktioniert über die Ästhetik der geposteten Bilder, das heißt, das Buch muss sich gar nicht gut lesen, es muss vor allen Dingen gut aussehen. Debatten, Kontroversen? Fehlanzeige.

Es überkommt mich Kulturpessimismus in rein Form: Adorno hätte schon längst die Bullen gerufen.

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