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Lieblingsfehler

Als Rechtschreibnerd macht man so seine Erfahrungen. Und auch mitten im Korrekturalltag meist ähnlich gestrickter Flüchtigkeits-, Beistrich- und das/dass-Fehler erhellen dann doch auch einige besondere Leckerbissen das Gemüt.
Versteht mich nicht falsch, ich mache mich über niemandes Fehler lustig. Im Gegenteil, ich bin sehr froh, dass Menschen Fehler machen, denn sonst wäre mein Job wohl völlig umsonst.
Es gibt aber ganz besonders liebreizende Fehler, deren Charme ich mich kaum erwehren kann. Ich nennen sie meine Lieblingsfehler und sie haben eines gemeinsam: Die falsch liegende Person ist völlig überzeugt davon, dass sie richtig liegt und das aus einem der folgenden Gründe:

1) Sie denkt, dass ein bestimmtes System der Wortbildung oder Aussprache angenommen wird, das hier aber nicht gilt. (Zum Beispiel: Umgangssprachlich sagt man "Eima", korrekt heißt es aber "Eimer". Also sagt die Person bei der nächsten Gelegenheit, bei der sie besonders schönes Hochdeutsch sprechen will, sie arbeite in einer kleinen "Firmer".)
2) Sie denkt, dass das Wort von einem Wortstamm herrührt, der in diesem Fall aber nichts mit der tatsächlichen Herkunft zu tun hat. (Zum Beispiel: "Er hat es faustig hinter den Ohren", "Darf ich vorstellen, das ist meine Schwiegermutter xp" oder eines meiner Lieblingsworte: "vernarrtisch" statt fanatisch)
3) Sie denkt, dass ein Wort alleine steht und mit keinem Ursprungswort zusammenhängt und bildet daher eine neue Wortkreation. (Zum Beispiel: "Macht bitte nicht so ein Tjata" oder "Morgen kommt die Müllerpfuhr")

Besonders in Foren und sozialen Netzwerken stolpert man über diese herrlichen Wörter, die ähnlich wie ein "Sickerwitz" manchmal echt einige Anläufe und lautes Sich-selbst-Vorlesen brauchen, um sie zu verstehen.
In Lektorenkreisen wird immer wieder diskutiert, ob man "schlimmste Fehler" suchen und sammeln darf, denn im Grunde spricht man hier über seine Kunden und die sollen sich ja nicht verarscht fühlen. Aber ich muss sagen: Mein liebevolles Verhältnis zu fehlermachenden Menschen und ihren "Produktionen" widerspricht dieser Sichtweise komplett. Natürlich tun mir gewisse Fehler weh, ich bin ja schließlich ein Grammar Nazi. Aber ich denke, es ist bei allem Spaß an dieser Bezeichnung in Wahrheit sehr wichtig, sein Bedürfnis nach korrekter Orthographie und Grammatik wirklich auf sich selbst zu beziehen und von dem Menschen abzukoppeln. So kann dann die Betrachtung eines Fehlers etwas sein, über das beide herzhaft lachen können.

Lieblingsfehler