Lights Out

Ich bin mal wieder im Kino gewesen. Total spontan und weil ich jetzt so ein kleines Multiplex gleich umme Ecke habe, kann ich nun auch wieder bedeutend leichter in die einst von mir so gern besuchte Spätvorstellung gehen. Weil ich dann nicht noch eine Stunde Heimweg vor mir habe. Und wer schonmal, wie mir das immer häufiger passiert, bereits kurz nach Filmstart beginnt heftig mit dem Sandmännchen zu ringen, weiß wie depremierend dann die Gewissheit ist, wirklich noch sehr lange kein Bett zu sehen.

Leider ist mein Multiplex relativ klein. Also mehr so ein "Multiplexchen". Die Filmauswahl somit sehr Blockbuster-orientiert. Und davon laufen natürlich auch nur die Gefälligsten und dem Massengeschmack am gnadenlosesten verpflichteten "Kommerzstullen". Deswegen war ich da auch so gut wie noch nicht Gast. Es lässt sich an einer Hand abzählen. Wenn aber sonst nichts läuft woanders, oder ich schon zu spät dran und eh nur auf den schnellen flachen Kick aus bin, dann kuck ich durchaus mal ins Programm. Und Horror zieht bei mir ja immer.

Gerade kleine Produktionen sprechen mich an. Wer kaum Kohle hat muss einfallsreich sein. So ist es kein Wunder, dass in den letzten Jahren gerade kompetent gemachter Low Budget-Horror seinen Weg auch in die großen Lichtspielhäuser fand. Oft keine Meisterwerke oder Stoff künftiger sogenannter Klassiker, aber durchaus die Auszeichnung "Gehobene Geisterbahn" verdienend. Ich denke da zum Beispiel an die findigen "Gruselzuckerwatten" eines James Wan und damit Vergleichbares. Das bringt mich zu "Lights Out", bei dem Herr Wan ebenfalls seine Finger im Spiel hatte, wenn auch diesmal nicht als Directeur.

Um was geht es grob in zwei Sätzen? Geist eines zu Lebzeiten gequälten, seelisch und körperlich kranken Mädchens, sucht eine Familie heim und rächt sich aus Gründen. Das gelingt ihm nur aus dem Dunkeln heraus. Licht lässt ihn verschwinden, Schatten macht ihn sichtbar. So, und dann noch einen Lichtschalter vorstellen…

Wirklich viel dazu habe ich gar nicht zu sagen. Die effektive Grundidee stammt aus einem Shorty soviel ich weiß. Das merkt man ein wenig, denn der Schockmechanismus wird oft nur wiederholt, kaum um Facetten erweitert und die drumherum gestrickte Handlung samt ihrer Charaktere wirkt ein kleines bisschen bemüht. Das ist alles zu gut ausgedacht und geht damit leider keine vollständig homogene Verbindung mit dem eher eindimensionalen Monstrum ein, dessen rein somatische Schock-Attacken zwar ganz gut funktionieren und nett anzusehen sind, das aber insgesamt zu wenig Substanz bereit hält, um ein vollends glaubwürdiges Produkt seiner anschaulich gestrickten Hintergrundgeschichte zu sein. Doch sei's drum, die Schauspieler sind wohltuend unnervig. Die Inszenierung ist angemessen unaufgeregt und die Laufzeit mit ihren rund 80 Minuten ebenfalls angenehm adäquat für so eine Wundertüte. Man hätte da sicher mehr daraus machen können, auch Gruseligeres, aber wenn man die Geldbörsen eines möglichst breiten und auch jungen Publikums erleichtern möchte, dann darf das durchaus ziepen, sollte aber nicht wirklich weh tun, um nicht jüngere Kinobesucher schon qua Jugendschutz gleich auszuschließen.

In Deutschland ist der Film ab Sechzehn. Das muss nicht immer schlecht sein. Sogenannter Erwachsenenhorror mit seinen 18er-Freigaben ruht sich oftmals ja leider auch nur auf Splatterexzessen aus und versagt gerne auf allen anderen Ebenen. "Lights Out" fand ich sehr okay. Aber auch nicht mehr. Ins Kino muss man deswegen nicht unbedingt. Aber wenn er auf den üblichen Online-Plattformen aufschlägt, viel Spaß damit!

Horror, Horrorfilm, Geister, James Wan

https://youtu.be/6LiKKFZyhRU