Los Angeles-Filme aus den 80er Jahren

Seit ich ungefähr 20 Jahre alt war, hat sich bei mir eine seltsame Faszination für die 80er Jahre entwickelt – die Ästhetik, die Musik, die Filme. Woher das kam, ist mir selbst ein Rätsel, aber für einige Zeit konnte ich kaum genug bekommen von neon-pink beschrifteten VHS-Kassetten und Synthiepop. Ein Auslöser dürfte Less Than Zero gewesen sein, Erstwerk des American Psycho-Schriftstellers Bret Easton Ellis. Das düstere Kultbuch war ein Catcher in the Rye der 80er und zog mich mit seinem nihilistischen Glanz in den Bann.

Kalifornien und L.A. waren das Zentrum der 80er-Popkultur, arguably noch vor New York: Hier wurde in Musik und Film an der Ästhetik der Gegenwart gefeilt, mit Strahlkraft in die ganze Welt. Nicht verwunderlich also, dass die Stadt selbst häufig eine der Hauptdarstellerinnen war. Neben weltweiten Mega-Blockbustern wie den Beverly Hills Cop– oder Lethal Weapon-Reihen gibt es aber auch weniger bekannte sehenswerte filmische Abhandlungen zu L.A., von denen hier einige vorgestellt werden sollen.

NO MAN’S LAND (1987)

Lange bevor Charlie Sheen sein Leben gänzlich den Drogen widmete, drehte er einige sehr gute Filme. Weltbekannt wurde Sheen mit dem Vietnam-Drama Platoon von 1986 und Wall Street von 1987, beide unter der Regie von Oliver Stone. Genau zwischen diesen beiden kam No Man’s Land heraus, der auf den ersten Blick wie wunderbar substanzloser 80er-Pulp wirkt.

Sheen spielt ein rich kid und Besitzer einer Porsche-Werkstatt. Aus einer mondänen Langeweile heraus geht er nachts Porsches klauen – und zwar nur Porsches. Undercover-Cop Benjy, gespielt von D.B. Sweeney, soll die Organisation hochgehen lassen und gerät dabei zu tief in den Strudel von Geld, Gewalt und Nervenkitzel.

No Man’s Land ist weder vom Skript noch von der schauspielerischen Leistung her ein Meisterwerk (vielleicht ein Ausreißer aus Roger Ebert’s Stanton-Walsh-Rule), aber ein solider Thriller. Was den Film sehenswert macht, sind aufwändige Action-Szenen und atmosphärische Aufnahmen des urbanen L.A. der 80er Jahre mit einem Auge für Glitz und Glamour.

TO LIVE AND DIE IN L.A. (1985)

Streng genommen kein Geheimtipp, aber auch definitiv kein etablierter Klassiker, zumindest in Deutschland, ist To Live And Die in L.A. Vierzehn Jahre, nachdem William Friedkin für den genre-definierenden New York-Thriller French Connection den Oscar bekommen hatte, widmete der Regisseur sich Los Angeles.

Obwohl das Drama um zwei Cops auf der Jagd nach einem Geldfälscher alle Zutaten für einen Hit mit sich brachte, war er nicht uneingeschränkt erfolgreich: Variety nannte es „a rich man’s Miami Vice“. Auch die Tatsache, dass unter den Hauptdarsteller_innen Willem Dafoe noch der bekannteste ist, trägt wohl zu seiner heutigen relativen Obskurität bei.

To Live And Die in L.A. ist nihilistisch, gewalttätig, hochspannend, optisch dabei poliert und rau gleichzeitig: Eine Symbiose zwischen dem essentiellen oberflächlichen Glanz der 80er und Friedkins nüchterner New Hollywood-Regiearbeit. Wahrscheinlich objektiv der beste Film in dieser Reihe und ohne Einschränkung empfehlenswert.

LESS THAN ZERO (1987)

Die Verfilmung des zu Anfang genannten Kultbuchs hat nach Erscheinen 1987 wenig Zuspruch bekommen, und zu Recht: Der Film hat wenig mit der Vorlage zu tun und unterschlägt den Großteil der amoralischen, sprachlosen Wut und Wucht, die das Buch ausmachten. Stattdessen wurden beliebte Tennie-Idole gecastet und ein vergleichsweise seichtes Freundschafts-Drama zusammengebastelt.

Mit der Zeit wurde die Bewertung von Less Than Zero allerdings etwas korrigiert, und auch das zu Recht. Wird der Film genommen für das, was er ist, ohne jederzeit den engen Vergleich mit der Vorlage zu erzwingen, erhält man ein durchaus ernstzunehmendes Drama mit sehr polierten, schönen Bildern und einer hervorragenden schauspielerischen Leistung des jungen Robert Downey Jr.

FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH (1982)

Ich bin persönlich davon überzeugt, dass die fast vollkommene Unbekanntheit dieses Teenie-Film-Juwels in Deutschland vor allem einen Grund hat: Und zwar den deutschen Titel, der Ich glaub ich steh im Wald lautet. Man könnte auch sagen: „Wie klaut man einem Film auf einen Schlag und auf Dauer seine gesamte Glaubwürdigkeit“ – weil bei diesem hirnverbrannten Titel natürlich jede_r ein flachstes Kalauer-Fest erwartet.

Aber genau das ist Fast Times at Ridgemont High nicht. Es ist ein sensibles, authentisches, einfühlsames Abbild eines besonderen pop- und jugendkulturellen Ortes in Raum und Zeit. Bemerkenswert ist die Dichte an zukünftigen Stars unter den Schauspieler_innen: Sean Penn, Forest Whitaker, Jennifer Jason Leigh, Judge Reinhold, Nicholas Cage und Eric Stoltz, allesamt spätere Stars, sind hier in mehr oder weniger großen Rollen zu sehen.

THE INFORMERS (2008)

The Informers muss in dieser Liste gleich gegen zwei Vorwürfe in Schutz genommen werden: Erstens ist der Film nicht aus den 80ern, sondern gerade einmal acht Jahre alt, und zweitens wird er allgemein eher schlecht bewertet (IMDb: 5,1 von 10). Erstens aber spielt der Film komplett in den 80ern, nach einer Buchvorlage von Bret Easton Ellis, und zweitens ist die überwiegend schlechte Bewertung meiner Meinung nach zu Unrecht.

Denn The Informers, der einige Handlungsstränge episodisch verwebt und ein hochkarätig besetztes ensemble cast aufweisen kann, ist ein Film mit vielen der Qualitäten, die auch andere neuere L.A.-Filme wie Magnolia oder Collateral ausmachen. Die zentralen Fragen nach Moral und Sinn sind auch hier an L.A.’s Attribute gebunden: Leere, Oberflächlichkeit, Gewalt, Schönheit, Vergänglichkeit und Tod. Ein unterbewerteter Film.

80er-Filme

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