Low Poly und Pixelart: Neuer Stil für Retro-Videospiele

Hat man in den letzten zehn Jahren ein Spiel gekauft oder heruntergeladen mit dem Begriff „Retro“ im Titel oder in der Beschreibung – dann war die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass die Grafik dieses Spiels aus Pixelart bestand, also einer Nachahmung von Auflösung und 2D-Grafikstil der 8- und 16-Bit-Konsolen aus den 80er und frühen 90er Jahren. Beispiele für diesen Nostalgie-induzierten Trend sind etwa das Exploration-Abenteuer Terraria, die Platformer Mega Man 9 und Shovel Knight oder der Smartphone-Shooter Radiant.

Doch mittlerweile zeichnet sich im Retro-Bereich eine neuer Trend ab, genannt Low Poly. Kurz für „low polygon count“, also geringe Polygon-Anzahl, orientiert sich dieser Stil teilweise an der Ästhetik von frühen 3D-Spielen der 90er Jahre.

Zu Beginn der Transition von 2D- zu 3D-Spielen konnten Konsolen noch nicht, wie heute, Hunderte Millionen Polygone (= Vielecke, geometrische Körper) berechnen und diese auch nicht mit hochauflösenden Texturen überziehen. Bei der Modellierung von Welten und Objekten war Kreativität gefragt. Ähnlich wie bei beim Gegensatz „Pixelart vs HD“ wurde jetzt auch die freiwillige Beschränkung auf relativ wenige Polygone als Retro-Stil wiederentdeckt.

Beide Stile machen Kompromisse bei der Authentizität zugunsten der Optik. Pixelart-Spiele haben üblicherweise eine größere Farbpalette und Anzahl von Objekten auf dem Screen, als es bei 16-Bit-Konsolen möglich gewesen wäre; und Low Poly-Designer wollen trotz der geringen Anzahl an Kanten nicht auf ansprechende Licht-, Schatten- und Blur-Effekte verzichten – die für die Playstation 1 oder das Nintendo N64 nicht umsetzbar gewesen wären.

Ein aktuelles Beispiel ist das frisch auf Steam herausgekommene Poly Bridge, das den Stil sogar im Namen trägt. Das sympathische Brückenbau-Spiel ist mit seiner Tendenz, lustige Fehlschläge zu kreieren, und auch mit der ansprechenden Low Poly-Optik ein echter Überraschungshit geworden.

Low Poly

http://polybridge.drycactus.com/