;Man muss Menschen mögen!

Tatsächlich? Diese vier bedeutungsschwangeren M’s werden heute an jeder Ecke und von jedem gutgläubig hochgehalten. Sie gehören zum Gutmenschen. Das kommt heute überall zum Tragen. Einerseits im Job bei internen „Spürst Du mich“ Kursen und andererseits in der Nachbarschaft beim geselligen und völlig unerwünschten Beisammensein. Überall lieben wir uns, weil das gerade Mode ist. Die Frage lautet, wieso eigentlich? Weshalb muss ich Menschen mögen, die mir auf die Nerven gehen? Weshalb muss ich meinen giftigen Chef knuddeln, nur weil der gekaufte Firmenpsychologe das gerne hätte? Und warum sollte ich an jeder Nachbarschaftsgrillerei teilnehmen und Hühnchen töten, damit wir alle lieb miteinander sind? Gut, ich hasse Geflügel. Aber Tatsache ist, das macht nur oberflächlich Sinn. Bei Zwang reagiert das Gehirn nämlich automatisch anders. Hintergründig sind die Hirnzellen nämlich schon am Arbeiten, wie man die Leutchen gründlich in den Hintern treten könnte. Natürlich ist es dabei sehr von Vorteil, dass wir gezwungen werden, die Menschen regelmässig zu sehen, um sie zu lieben. Das deckt die Schwächen des Gegners immer wieder wunderbar auf. Vor allem im Job. Denn wenn der so umschwärmte Gegner sich in Sicherheit wiegt, dann plaudert er detailreich Geheimnisse aus, die man wirklich besser unter der Grabplatte gelassen hätte. Vielleicht mögen die Chefs diese Methode deshalb sosehr, weil sie so an privates kommen? Also könnte man doch eigentlich sagen, wie lieber wir uns offiziell haben, desto gefährlicher wird das Leben. Niemand sagt was er denkt, denn das ist nicht mehr erlaubt. Das wiederum führt zu mehr Aggressionen, weil ich dem anderen gerne den Hammer auf den Kopf hauen möchte, ihm stattdessen aber Blümchen bringen muss. Und genau das ist das Problem! Ich darf nicht mal mehr höflich schweigen, nein, ich muss mich debil grinsend den Konventionen anpassen. Tue ich das nicht, dann gelte ich sofort als nicht sozialisiert. Im Job führt das auf der Karriereleiter meist direkt in den Keller zu den Mehlwürmern. Würde es auch anders gehen? Natürlich! Wir waren mal zu zweit auf einer Abteilung. Iris und ich. Wir sahen uns und wir hassten uns. Aber wir wollten den Job behalten. Also haben wir uns zehn Minuten lang mitgeteilt, was wir gerne mit dem anderen machen würden und uns dann auf Neutralität und Respekt geeinigt. Zur Abmachung gehörte eine klare Business-Sprache ohne jegliche persönlichen Kommentare. Am Montag haben wir uns zuerst zum Kaffee zusammengesetzt und…ihr ahnt es, die Sau raus gelassen. Der Montag ist dafür eindeutig der beste Tag, da die Laune sowieso unter null ist. Das hat dann bis zum Freitag ganz gut gehalten. Ich muss sagen, das war das entspannteste Arbeitsjahr, das ich jemals hatte. Wir mussten uns nicht verbiegen, nicht lügen und keine Blümchen bringen. Iris und ich, wir waren einfach wir. Und das völlig stressfrei. Damit war für mich klar, man muss seinen Nächsten nicht lieben, wie sich selbst. Nein, man muss ihn respektieren wie sich selbst. Das reicht und vermindert die Probleme ungemein.
Versucht es doch auch mal und mögt wen ihr wollt!

Ein schönes Wochenendende wünsche ich allen!
Liebe GrüsseAlex

Soziale Zwänge

lealexsax.ch

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