Mater Suspiria Vision.

Ein Review zu einem Mater Suspiria Vision-Release machen zu dürfen, ist gerade an so erdrückend heissen Tagen wie diesen eine ganz wunderbare Sache - eine grossartige Entschuldigung nämlich, um den Schönwetter-Outdoor-Faschisten den gestreckten Mittelfinger zu zeigen und sich mit Wonne in sein finsteres Kämmerlein einzuschliessen. Dort, mit hermetisch verriegeltem Fenster, heruntergelassener Jalousie und versperrter Tür, kann man sich dann endlich wieder mal in die düster-trancigen Welten der mysteriösen Band aus der astralen Sphäre versenken. Warum man über Mater Suspiria Vision berichten sollte (derselbe Grund übrigens, warum die Band das Witch House-Genre überlebt hat): die haben eine kurze Zeitspanne lang sowieso nur ganz am Rande in das enge Stylekonzept gepasst und haben sich mit jedem Release, der mir wie eine Offenbarung vorkam, transzendiert - in mystische Klangwelten, die man auch nach dem x-ten Anhören eines ihrer vielen Werke nicht leichtfertig entschlüsseln wird können. Mater Suspiria Vision sind auf angenehmste Art und Weise postmodern. Die vielfältigen Einflüsse musikalischer und theoretisch-magischer Natur lassen sich oftmals nur erahnen, verzweigen sich sofort rhizomatisch und bilden in ihren unvorhersehbaren Strängen eine dicke, schwarze Wolke, aus der jederzeit ein furchtbares Gewitter hervorbrechen könnte. Ja, vermutlich haben die ihren Crowley oder Spare gelesen, vielleicht sogar die entsprechenden Rituale vollzogen; die mögen stunden- oder tagelang Coil gehört haben und synchron dazu das ganze saubartelig/obskure Filmwerk der italienischen 1970er/80er-Jahre in sich eingesaugt haben - festlegen lässt sich das allerdings nicht mit Sicherheit. Ich glaube, dass MSV ihren eigenen, finsteren Mythos erschaffen haben, diesen aussenden und die gespenstischen Echos aus einer unendlichen Tiefe an der Oberfläche referenzieren.

Elektronische Musik