Medien in Münster: Print is dead

Dass die Online-ePaper-Ausgabe der WN genauso teuer ist wie das reguläre Abo, war mir nicht bewusst und überrascht mich schon sehr. Die Süddeutsche Zeitung, nach der Bild die zweitgrößte Tageszeitung Deutschlands, bietet ihr rein digitales Abo für fast den halben Preis eines Papier-Abos an - nachvollziehbar, denn Druck und Auslieferung sind ein großer Posten in der Preiskalkulation.

Als langjähriger Münsteraner habe ich die WN und MZ täglich "genutzt" - das heißt, die (mit Werbung vollgekleisterten) Webseiten frequentiert, auf denen viele und auf jeden Fall die wichtigsten Artikel veröffentlicht waren. Erfahrungsgemäß gingen die Texte der morgendlichen Ausgabe im Laufe des frühen Nachmittags online. Brandheiße Themen und Eilmeldungen sind natürlich schneller verfügbar, denn auch in Münster, oft als verschlafen verrufen, ist Aktualität zentral.

Der von mir beschriebene Trend wurde jedoch in den letzten Jahren immer sichtbarer: Ein Großteil der Menschen holt sich die lokalen Nachrichten aus sozialen Medien (auch da sind die Tageszeitungen aufgesprungen), wo mittlerweile häufig sogar die Schützenvereine vertreten sind. Der digitale Kreis von Freunden und gefolgten Seiten ist für die Generationen bis 60 (und nicht selten auch darüber hinaus) heute oft relevanter als die Papier-Zeitung.

Insofern, polemisch gefragt: Braucht Münster, braucht ein relativ kleiner, lokaler Markt überhaupt eine gedruckte "Andere Zeitung"? Kann ein solcher Markt eine Print-Zeitung aufrecht erhalten? Oder sollten sich die Bemühungen vielleicht darauf konzentrieren, ein neues Web-Angebot aufzubauen (ob kostenlos oder nicht)? Dann wäre die Finanzierungsfrage auf jeden Fall deutlich lösbarer.

Diese Frage ist jedoch nicht die Frage danach, ob professioneller Journalismus selbst nötig ist - das ist er! Denn soziale Medien, Augenzeugen-Tweets und Lifestyle-Magazine können nicht Reportagen ersetzen, Analysen von gesellschaftlichen Entwicklungen und kritische Hinterfragungen von Lokalpolitik.

Zeitungsbranche

http://taz.de/Zeitung-selbermachen/!160944/

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