Meine späte Liedermacher-Neuentdeckung

Normalerweise bin ich eher elektronisch veranlagt und daher im Singer-Songwriter-Genre seltener unterwegs. Ein guter Freund hat mir aber das Album „Endlich Nichts“ von Spaceman Spiff ans Herz gelegt. Wie es bei so etwas dann meistens ist, habe ich nach wochenlanger Prokrastination und auf mehrfacher Nachfrage meines Freundes dann doch reingehört. Und tatsächlich hat es sich gelohnt!

Musikalisch hat das Album einige Highlights zu bieten. Vor allem einige überraschend innovative Gitarrenriffs, die ich in diesem überstrapazierten Musik-Genre kaum mehr erwartet hätte. Das Ganze kommt oft in schöner Kombination mit Streichern und auch einigen elektronischen Elementen.
Bemerkenswert sind aber vor allem die wortgewandten und tiefgründigen Texte. Aufgrund des zahlreichen Gebrauchs von sehr kreativen Gleichnissen und Metaphern, realisiert man oft erst beim zweiten Hinhören, worum es in den Songs eigentlich geht. Im herrlich melancholischen „Teesatz“ sinniert Spaceman [benannt nach einer Comicfigur – eigentlich Hannes Wittmer] beispielsweise über sich und seine Freunde, die sich zusehends aus den Augen verlieren und alle an ihren individuellen Lebenskrisen zu knabbern haben. Das Besondere dabei ist, dass die Protagonisten nur mit dem Namen ihrer Wohnorte besungen werden. So kommen grandiose Textzeilen zustande wie „Leipzig hat versucht von seiner Kunst zu leben, es hat nicht wirklich funktioniert // und München ist verliebt in Bargteheide, leider ist es kompliziert.“

Meine Favoriten auf dem Album in Reihenfolge:
1) Teesatz
2) Bevor der Konjunktiv gewinnt
3) Der Tag an dem ich nicht verrückt wurde
4) Milchglas

Interessanterweise gefallen mir auf dem Album insgesamt die klassisch Gitarre-lastigen Klänge deutlich besser als die eher elektronisch angehauchten Stücke. Der ein oder andere Track kommt da nämlich etwas „überproduziert“ daher („Vorwärts ist keine Richtung“, „Mind the Gap“, „Die Ruhe selbst“): Ich werde immer skeptisch, wenn ein Singer-Songwriter-Stück im Studio übertrieben raumgreifend abgemischt wird…
[…und dann kommt von 100%-Pan-Links noch ein Rimshot und von vorne rechts noch ein Beep-Sample und die Rhythmus Gitarre wird gefühlt über 5 Kanäle gesplittet, sodass das Ohr gar nicht mehr weiß wo es hinhören soll…]
Das wird aber gegen Ende des Albums besser und insgesamt lässt sich das Album wirklich sehr angenehm durchhören. Für alle die mit Gisbert zu Knyphausen, Philipp Poisel und Kollegen etwas anzufangen wissen, ist es definitiv empfehlenswert.

Spaceman Spiff – Endlich Nichts

https://www.youtube.com/watch?v=i-t1lQM_AIE