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Momo und die Zeit

Vielen ist Momo als das lockige Mädchen mit den schokoladebraunen Knopfaugen im Kopf (übrigens eine Schauspielerin mit dem wunderbaren Namen "Radost", der in slawischen Sprachen "Freude" bedeutet). Ich habe den Film aber eigentlich nie gesehen, obwohl ich generell auf Verfilmungen stehe. Aber ich hätte es mir nicht antun können, die Momo in meinem Kopf auf eine Momo aus einem Film prallen zu lassen.

Ich verbinde das Erlebnis dieses Klassikers mit einem langersehnten Geschenk meiner Eltern: Ich bekam einen großen gelben Lesesessel für mein Kinderzimmer, den ich mir schon unheimlich lange gewünscht hatte. Glücklich stand ich vor meine Bücherregal und suchte mir ein besonderes Buch für das "Einweihen" des Sessels aus. Plötzlich stach mir ein abgegriffenes altes Buch meiner Schwester ins Auge. Schon vor längerer Zeit war es aus ihrem in mein Kinderzimmer umgezogen, aber ich hatte es bis zu jenem Tag nicht beachtet.
Aber am Tag des gelben Lesesessels nahm ich es in die Hand und begann, es zu lesen. Irgendwann fand ich mich auf dem Teppich vor dem Bücherregal im Schneidersitz: Das Buch hatte mich von der ersten Seite an so gefesselt, dass ich sogar auf mein neues Möbelstück vergessen hatte.

Momo hat mich aber nicht nur positiv beeinflusst. Ich war 8 oder 9, als ich es gelesen habe und niemand konnte meine Gedanken verstehen, die ich mir von nun an machte. Ich kann mich an den verständnislosen Gesichtsausdruck meiner Schulfreundinnen erinnern, als ich darüber reden wollte, dass die Zeit vielleicht gar nicht so regelmäßig und für alle gleich verläuft. Meinen nächsten Versuch startete ich bei meiner Großmutter und ich kann mich an ihre einzige Aussage dazu erinnern: "Die Zeit ist halt die Zeit."
Ich konnte nicht verstehen, wie die Menschen um mich einfach akzeptieren konnten, dass die Zeit einfach so verläuft. Keinem schien aufzufallen, dass die Zeit manchmal schneller und manchmal langsamer vergeht. Also startete ich Experimente: Mit einer Freundin, bei der ich zum Spielen eingeladen war, versuchte ich, zu streiten, damit die Zeit langsamer verginge und wir mehr Zeit miteinander hatten. Leider war das künstliche Streiten ein zu großer Spaß und die Zeit verging noch schneller.

Es ist wohl für viele einfach ein nettes Buch, aber ich finde es immer ganz besonders spannend, wenn ein Buch dein Denken verändert. Momo war das erste Buch, das das geschafft hat und ich denke, es beeinflusst mich auch heute noch.

Momo und die Zeit