Märchenhafter Realismus

Märchen haben gerade mal wieder Hochkonjunktur im Kino. Meist beschwört das Haus mit der Maus die heile Welt von Prinzen und Prinzessinnen. Dem Kitsch Marke Disney setzt nun ausgerechnet der italienische Regisseur Matteo Garrone, der das preisgekrönte Mafia-Ensemblewerk „Gomorrha“ schuf, eine wesentlich europäischere Interpretation entgegen. Dabei konzentriert er sich nicht auf eine weithin bekannte Mär, sondern vermischt Motive zu einem faszinierenden Gebräu.
Basierend auf dem Werk von Giambattista Basile (1566 – 1632), Europas erstem großen Märchenerzähler, sind immer wieder die königlichen Familien Dreh- und Angelpunkt in den drei parallel erzählten Episoden. Tragik und Komik verbinden sich in Garrones außergewöhnlichem Film zu phantasievoll erzählten Geschichten für Erwachsene. Fabuliert wird hier stets mit beiden Beinen auf den schmutzigen Straßen des Mittelalters. Fabelwesen sind nur am Rande zu sichten, der Anspruch liegt auf Authentizität. Ein wenig erinnert „Das Märchen der Märchen“ an die Historienfilme Terry Gilliams, ohne dessen anarchischen Charme, dafür mit einer exquisiten Besetzung, die reichlich Spielfreude an den Tag legt.

Das Märchen der Märchen