Mrs. Doubtfire - niemand liebt sie so wie ich.

Mein DVD-Regal ist voll mit alternativen Klassikern wie "Pulp Fiction", "Requiem for a dream" oder "The big
Lebowski". "Rush" und "Tiefseetaucher" haben bei mir das Feld von hinten abgeräumt, "Larry Flinth" ist
nachwievor mein persönlicher Pornoheld und seit "Singles" stehe ich auf Vollidioten à la Eddie Vedder.
Im Grunde gibt es eine Menge Lieblingsfilme, dennoch kann ich die Frage nach "dem einen" seit
gefühlten 20 Jahren aus der Pistole geschossen beantworten:
"Mrs. Doubtfire" (Meiner letzten Krümmel Würde, Guten Appetit!)

Warum? Offen gesagt: Keine Ahnung.
Gerne würde ich hierzu eine rührselige Erklärung anführen, Z.B. die Scheidungs-Kind-Analogie, die sowohl mich als auch mein eigenes Kind betrifft, aber das ist es nicht.

Zugegeben, die Vorstellung über meinen Vater (besser noch Ex-Mann) in Gestalt eines greisigen
Kindermädchens amüsiert mich durchaus, aber selbst bei entsprechender Mrs.Doubtfire-Intention hätte
eine solche Aktion im echten Leben bei mir keinesfalls die Emotionen ausgelöst, wie sie dieser Film
jedes Mal aufs neue transportiert.
Mr.Doubtfire gehört zu meinem obligatioschen Erkältungs-Ritual: Wärmeflasche, Fencheltee, ein Meer aus Taschentüchern und diese Krähenfüße aus Silikon um die herrlich herzlichen Augen der hier durch Robin Williams bestbesetzten alten 1,90m-Frau in ihrem Gummi-Fatsuit.

Hier zerbricht eine Familie und eine karrieregeile, humorlose 0815-Frau ersetzt Ihren so einzigartigen, wunderbaren, liebenswürdigen Paradisvogel durch einen schnöseligen 007-Womanizer und ich fühle mich jedesmal vor Fassungslosungkeit über diese bahnbrechnede Oberflächlichkei innerlich zerfetzt. Die vierjährige Nathalie finde ich eigentlich erst annähernd niedlich, seitdem ich ein Kind im selben Alter habe, die älteste, misantrophische Tochter Lydia nervt und der androgyne Mittlere erinnert mich an Justin Bieber und trotzdem, oder deswegen -vielleicht aufgrund der authentischen Absurdität der ganzen Geschichte- liebe ich diesen Film wie keinen anderen. Ich lache immer wieder und wieder über den trockenen Humor von Daniel und die Vielzahl an Gags, die ich erst heute als Erwachsene verstehe, ich heule mit ihm im Gerichtssaal und fühle mich zuhause ab dem Moment, in dem sich die Haustür öffnet und zum Klinklong-Soundtrack Mrs. Doubtfire zum ersten Mal in der Tür steht. Showtime. So an den Haaren herbei gezogen. Und doch so echt.

Da ich davon ausgehe, dass diesen Film wirklich jeder kennt, kann ich beruhigt spoilern und sagen: Glücklicherweise gibt es kein Happy-End à la Familen-Reunion, aber es gibt einen Kompromiss. Im Grunde ist es aber fast egal, welches Ende der Film nimmt, da die Story ansich eigentlich nichtmal der ausschlaggebende Punkt für meine Favourisierung ist, denn offen gesagt, so toll ist sie gar nicht. Mich packt die Umsetzung und die Stimmung, die mir hier bis ins Mark vermittelt wird. Jedes Mal will ich Miranda verhauen und Mrs. Doubtfire heiraten, zumindest engagieren. Dies hat mich im übrigen dazu veranlasst, dass ich auf der Suche nach einer Haushälterin vor einigen Jahren in der Zeitung "Mrs. Doubtfire gesucht" inserierte und hierdurch zunächst eine wundervolle Unterstützung in meinem Haushalt und heute eine phantastische Freundin gewonnen habe. Aber dies ist eine andere Geschichte.

LIEBLINGSFILME