Nach Paris - Was bleibt... Teil 1

Die mörderischen Stunden von Paris sind vorbei. Die Welt hat den Atem angehalten, was da noch alles kommen wird. Inzwischen ist klar, dass es sich um ein einzelnes Kommandounternehmen handelt, bei dem in ausführender Funktion sieben oder acht Männer tätig waren. Was als Netzwerk noch im Hintergrund tätig war, wird man hoffentlich in den nächsten Wochen noch aufrollen. Zusammenfassend kann man auf jeden Fall sagen, dass die Terroristen des IS – die waren es ja wohl – mit einem Mindestmaß an Ressourcen auskommen.

Die Welt hat mit dem üblichen Sturm der Gefühle reagiert. Waren wir vor nicht allzu langer Zeit Charlie, sind wir jetzt Paris, singen die französische Nationalhymne und sind mit unserem ganzen Herzen bei unseren französischen Brüdern und Schwestern in dieser Stunde der Not. Gleichzeitig verwahren wir uns davor, dass das Massaker von Paris in irgendeiner Weise auf den Islam, auf Migranten, auf Flüchtlinge oder auf Multikulti abstrahlt. Das hat nichts, aber auch garnichts damit zu tun. In aller Kürze, wir reagieren instinktiv und versuchen, unsere heile Welt vor Schäden zu bewahren. Das ist normal - für unsere Zeit. Insgesamt ist es eigentlich Wahnsinn. Insgesamt haben wir reagiert wie Teenager, die nicht bereit sind, zuzugeben, dass die Zeit des Kuschelns und Liebhabens vorbei ist und sich daher noch eine Runde ins Bett zurückziehen wollen, weil es da warm ist.

Nur leider ist es nicht zielführend. Es sollte durch den Abend von Paris klar geworden sein, was alles möglich in der Welt des Terrorismus. Bei IS stecken sie wahrscheinlich gerade die Köpfe zusammen und feiern sich selbst, und morgen werden ihre bezahlten Helfer wieder unterwegs sein, um die Ressourcen wieder aufzustocken und neue Attentate vorzubereiten. Der Abend von Paris sollte gezeigt habe, dass es, einen geringen Einsatz von Menschen und Material vorausgesetzt, kein Problem ist, die westliche Welt in ein latentes Gefühl von Panik zu versetzen. Er hat weiter gezeigt, dass die westliche Welt kaum in der Lage ist, darauf zu reagieren.

Dass wir nicht in der Lage sind, zu reagieren, dazu trägt ebenfalls unsere gefühlsmäßige Disposition bei. Die natürliche Reaktion wäre es jetzt, in unserer Wagenburg zu verschwinden und außerhalb dieser Wagenburg verbrannte Erde zu spielen. Natürlich wäre es also, wenn wir Bestrebungen unternehmen würden, die Grenzen dichtzumachen, keine Flüchtlinge – oder wenigstens keine islamischen Flüchtlinge – mehr hereinzulassen, sämtliche bekannten radikalen Islamisten mit allen nachrichtentechnischen Möglichkeiten zu überwachen und, falls möglich, abzuschieben, unseren Sicherheitsbehörden alle Möglichkeiten zum Kampf gegen den Islamismus zu geben und ansonsten gemeinsam den Kampf gegen den IS – auch unter Einschluss von Assad – soweit zu intensivieren, dass in den IS-Hochburgen kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Verluste sind immer.

Das passt aber nicht in unsere Gefühlswelt, und das ist zu einem guten Teil auch gut so, selbst wenn es scheint, als seien wir alle wieder im Teenageralter angekommen. Es ist durchaus sympathisch, dass wir in unserem Kulturkreis zu einer Gesellschaft gelangt, sind, die immer nur das Gute in allem und in allen sieht. Es ist wunderbar, in einer Welt zu leben, in der jeder Mensch in größtem Maße Rücksicht auf seine Mitmenschen nimmt, in dem Unterschiedlichkeiten zwischen den Kulturen keine Bedeutung haben sollen, indem Vorurteile und Hass keinen Platz haben sollen. Es ist ein Traum, von Mitmenschen umgeben zu sein, die bei jedem Notleidenden in der ganzen Welt nur daran denken, wie man ihm helfen kann. Es wäre wunderbar, wenn alle Menschen auf der ganzen Welt so leben würden. Die Ereignisse von Paris sollten allerdings final nachgewiesen haben, dass dies nicht der Fall ist.

#ParisAttacks

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