New horizons und die Astrologie

Die Aufnahmen des Planetoiden Pluto, die uns die Raumsonde „New horizons“ vor kurzem vom äußersten Rand unseres Sonnensystems schickte, haben wohl viele von uns gesehen. Das war nicht nur ein weiter Weg durch den Raum sondern auch durch die Zeit, Pluto wurde erst spät entdeckt. Durch Abweichungen auf Bahnen von Himmelskörpern hatte man schon einige Zeit dort etwas vermutet, doch bis Pluto endlich nachgewiesen werden konnte, das sollte dauern. Das wurde konkret, als zeitnah auch ein neues Element in Fachkreisen zum Begriff wurde, das man dann nach dem gerade entdeckten Planetoiden benannte. Plutonium, das mit der Ordnungszahl 94 in das Periodensystem gesetzt wurde. Mit der Strahlung von Hiroshima, Tschernobil und Fukoshima fand diese unsichtbare und offensichtlich unkontrollierbare Gewalt auch im allgemeinen Bewusstsein ihren Platz. Das wirkliche Ausmaß von Energie und tödlicher Strahlung, die mit der Kernspaltung einhergehen und deren Wirkung weit über das Zentrum und den Zeitpunkt der Explosion hinaus, das erfasste man erst nach und nach. Das alles kennzeichnet auch den astrologischen Pluto. Schon die Jahrzehnte lange Suche nach dem anfangs nur mathematisch errechneten Planetoiden scheint symbolisch: man ahnt, dass da etwas wirkt, aber es lässt sich nicht fassen. Auch im Mythos trägt der Gott der Unterwelt eine Tarnkappe, wenn er auf die Erde hinaufkommt. Nach seiner Entdeckung musste der Planetoid einen Namen bekommen, im Gespräch waren zuerst Athene und Odin. Athene ist die schützende Göttin der Weisheit und Odin opfert auf der Suche nach Weisheit zuerst ein Auge und dann sich selbst. Beide sind also geistige, um Erkenntnis bemühte Kräfte. Pluto, der über die Schatten herrscht und ab und zu eine Jungfrau entführt, ist der Herr über all jene dunklen Bezirke, in die Athene und Odin Licht zu bringen versuchen. Wenn bei der Namensgebung sich Athene oder Odin durchgesetzt hätte, dann hätten wir Astrologen ein echtes Problem gehabt. Nach den Ephemeriden, einer Karte der NASA von den Positionen der Gestirne, stand Pluto bei meiner Geburt vis á vis zu meiner Sonne. Sie blickten sich an. Das heißt, da ist etwas, aber ich sehe es nicht, Tarnkappe. Astrologisch steht die Sonne für das Selbst und den Vater und Pluto steht für Macht und Machtmissbrauch. Tatsächlich machte mein Vater, solange er über diese Macht verfügte, einen reichlichen Gebrauch davon. Dass er sich im Wunsch nach Erkenntnis selbst opferte, lässt sich dagegen weniger behaupten. Hätte man diesen Himmelskörper also Athene oder Odin genannt, dann wäre ich nie Astrologe geworden. Aber Pluto, diese machtvolle, gewalttätige Gestalt, das war zwingend. Aber das lag genau so wenig im Ansinnen der Namensgeber wie der Umstand, dass das P und L von Pluto die Initialen seines Entdeckers sind. Der Marsforscher Percival Lowell hatte seit 1905 selbst nach einem solchen Himmelskörper gesucht und das Lowell-Observatorium auf einem Berg bei Flagstaff finanziert. Wie sich später herausstellte, war auf zwei der fotografischen Platten, die Lowell 1915 angefertigt hatte, Pluto bereits zu erkennen. Da Lowell aber nach einem viel helleren Objekt Ausschau hielt, war ihm diese Entdeckung entgangen. Pluto und die Tarnkappe. Da ich kein Kabbalist, also kein Buchstaben- und Zahlenmystiker bin, weiß ich zu P und L nichts zu sagen, aber man könnte im Sinne von C.G. Jung darin eine Synchronizität sehen. Eine akausale wie zwingende Sinnfälligkeit, ein Wirken ohne uns bekannte Ursachen, Eigenschaften, die dem astrologischen Pluto wie auf den Leib geschneidert sind. Da sah ich ihn also auf dem Bildschirm, diesen Klumpen in der äußersten Ecke unseres Sonnensystems und war befremdet. Wie, dieses Etwas soll bewirken, dass ich Zeitlebens ein so miserables Verhältnis zu meinem Vater hatte, so mies, dass ich mir bis heute noch keine Fußballspiele anschaue? Ich war ich gelinde gesagt befremdet von der Annahme, dieses Gebilde könne irgendetwas mit mir zu tun haben. Eine mir bekannte Irritation, die ich schon öfters durch die Aufarbeitung meiner Biografie mittels der Ephemeriden zu klären versucht hatte. Die eigene Biografie und das Kursbuch der NASA, das ist das wohin sich jeder Astrologe rettet, wenn er an seinem Fach zu zweifeln beginnt. Also ziemlich häufig. Mittels dieses Fahrplans musste sich zu den Ereignissen meiner Biografie ein Bezugsmuster herstellen lassen. Und tatsächlich: der biografische Indizienbeweis des Zusammenfallens von Scheidung, Kündigung, Konkurs mit dem Lauf dieses Materieklumpens durch unser Sonnensystem bei mir oder meinen Klienten ist stets erdrückend. Pluto geht über die Venus, man heiratet eine Frau oder einen Mann, die so abgründig wie ungesund sind. Pluto geht über Mars, Scheidung, geht über meinen Saturn, Kündigung usw. Solche markante Rolle spielt Pluto in jedem von Pluto belasteten Horoskop. Die biografische Recherche ist der Joker der Astrologie. Spätestens wenn man einer Mutter etwas über die schwierige Geburt ihres 2. Kindes erzählt, weil da Pluto am Aszendenten steht und die Mutter fassungslos etwas von der Nabelschnur um den Hals des Kindes zu berichten weiß, muss man ihr Interesse nicht mehr einfordern.

Sonne, Mond und Sterne