Nie wieder Katzenkrimis und das ist gut so

Schon seit längerer Zeit denke ich verschämt daran, dass 'Felidae' in den 90ern eines meiner Lieblingsbücher war. Als Katzenliebhaberin ließ sich das auch leicht rechtfertigen, denn 'Felidae' hat einen Kater als Protagonisten, der eine Serie von Morden an seinen felinen Freunden aufklären will. Das ganze war flott erzählt und hob sich angenehm vom ganzen Krimi-Einerlei ab.

Den Namen Akif Pirinçci assoziierte ich also mit vergnüglichen Lesestunden. Und dann musste Pirinçci ja im März letzten sein erstes 'Sachbuch' veröffentlichen: "Deutschland von Sinnen: Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer".

Er trat damit in die Fußstapfen Theo Sarrazins und Eva Hermans, diesen Ewiggestrigen. Die, die die Würde der Menschen nur als unantastbar erachten, wenn sie Biodeutsche sind und sich in heterosexuellen Partnerschaften befinden. Die, die in den verzweifelten Kampf gegen die Meinungsdiktatur gezogen sind. Die, die Opfer dieser Lügenpresse geworden sind und sich aus Liebe zu Land und Nation aufopfern, die gekommen sind uns zu sagen, was alles in Deutschland falsch läuft.

Es dürfte also niemand verwundern, dass es mir peinlich ist, 'Felidae' überhaupt jemals besessen zu haben. Umso besser, dass zukünftige Generationen vor diesem Schicksal gefeit bleiben. Random House hat nämlich angekündigt sich von Pirinçci zu trennen, auf Grund seines Auftritts bei der jüngsten Pegida-Demo in Dresden. Dort hatte er es sich nicht nehmen lassen mit KZ-Vergleichen aufzuwarten. Eine Provokation mit Ankündigung, ließ er doch auf seiner Webseite verlauten: "Morgen, also Montag (19. 10. 2015), werde ich anläßlich des einjährigen Bestehens von PEGIDA in Dresden auftreten und einen hübschen Text vorlesen, der in Sachen Wutrede in diesem Lande Maßstäbe setzen wird. Es wird um die Verbrechen gehen, die man diesem Volk gegenwärtig antut."

Ich gratuliere also Random House zu diesem Schritt. In ihren Worten liest sich das dann so: „Der Schutz von Demokratie und Menschenrechten ist für uns ein zentraler Bestandteil unseres verlegerischen Schaffens, ebenso wie der Respekt vor Traditionen und dem Wunsch nach kultureller Vielfalt. Die Aussagen von Akif Pirinçci stehen diesen Werten diametral entgegen.“

Random House hätte das auch gerne schon früher machen können. Auch wenn nun die Pirinçci- Verteidiger*innen heulen werden wegen der vermeintlichen Meinungsdiktatur des imperialistischen jüdisch-amerikanischen Großreiches und ihren neuen Märtyrer feiern werden. Dass dieser sich mit seinen rechtsradikalen, homophoben und sexistischen Meinungsäusserungen selber ins Abseits geschossen hat, wird sie nicht interessieren.

Akif Pirinçci

http://www.deutschlandradiokultur.de/kritik-an-akif-pirincci-nuetzlicher-idiot-der-rechten-szene.1270.de.html?dram:article_id=334578