Nieder mit der Rollenkonkurrenz!

Mit dem Titel wollte ich keinesfalls die Rollenkonkurrenz zwischen Mutter einer- und Vater andererseits kritisieren, obwohl es dazu sicher auch viel zu sagen gäbe und es gab noch dazu furchtbar peinliche Plakate des Bundesfamilienministeriums, die Frauen zu "rrriotmamas" gemacht hat.

Ich erlaube mir einfach mal, diese Rollen in Frage zu stellen, besonders da viele Kinder in dieser Gesellschaft wie Leibeigene ihrer Eltern, ihres Vater oder ihrer Mutter behandelt werden. Diese Elternrolle bzw. die Kinderfürsorge wird auch nicht geachtet und gesellschaftlich anerkannt, obwohl die Produktion des Lebens und der Gattung Mensch doch DIE wichtigste Aufgabe der Geselschaft ist. Da also in dieser Gesellschaft die Produktion von Waffen sowie Autos und Gadgets wichtiger erscheint, ist kein Wunder, dass aus Kindern Killer und Massenmörder werden. Das ist aber keine "Rollenkonkurrenz", sondern es ist die politische Ökonomie des Patriarchates.

Also zurück zur Fürsorge"rolle", für kleine Menschen, die "Kinder" genannt werden:

Aus der Sicht des Kindes sind die Eltern mehr als eben nur Vater oder Mutter. Die Eltern sich auch Spielgefährt*innen, Vertrauenspersonen, Ankuschelmenschen, Lehrer*innen, Liebhaber*innen, Behüter*innen/Schutzpersonen etc. pp. Ich denke, dass sich Menschen mit Kindern dieser vielen Rollen und der vielen Eigenschaften und Bedürfnisse von bewusst sein sollten. Mir passiert es oftmals, dass ich die Spielgefährt*innen-Rolle intensiver wahrnehme, als die Lehrer*innen- bzw. Erzieher*innen-Rolle. Ich lasse mich dann völlig auf das Kind ein. In diesem Moment des Vertrauensverhältnisses machen Kinder dann gern den Rollentausch. Die kleine, 4-jährige Lea liebt es, dass sie die Mutter spielt und ich das Kind. Innerhalb dieser Interaktion bekomme ich genau mit, wie sie selbst behandelt werden will, machmal ahmt sie aber auch das Verhalten von Erzieher*innen nach. Ich war mal mit ihr bei einem schönen Musikkonzert, wobei sie fast vom Stuhl gefallen bzw. mit dem Stuhl umgekippt wäre, da es leichte Plastikklappstühle waren und sie aber ein sehr lebhaftes, wildes Kind ist. Als ich das sah, war ich erschrocken und setzte mich neben sie auf den Boden. Plötzlich sagte sie laut scheltend zu mir: "Du setzt Dich jetzt sofort wieder auf den Stuhl!" und hob sogar den rechten Zeigefinger dabei hoch. Ich hatte das nicht erwartet und hätte deshalb fast laut losgeprustet vor lachen. Aber dann habe ich ihr Spiel mitgemacht und mit kindlicher Stimme gesagt: "Bitte, bitte, lass mich doch hier auf dem Boden sitzen...." und sie war gnädig gestimmt bzw. sie wandte sich wieder der Musik zu.

Im Privaten Umfeld kann ich das ohne weiteres machen. Würde ich dies jedoch während meiner Arbeit mit Kindern in einer staatlichen Einrichtung tun, dann würde mir "Distanzlosigkeit" vorgeworfen bzw. dass ich mich vor den Kindern "zum Affen" mache. Als ich mal in einer Schule arbeitete, wurde ich bereits von einer sogenannten "Vorgesetzten" angebrüllt, weil ich mich vor die Kinder hockte oder kniete. Die Kinder waren dies auch anfangs nicht gewöhnt und fragten mich: "Warum machst Du das?" Ich antwortete: "Wenn ich stehen bleibe, dann bekommt Ihr - wenn Ihr zu mir hochguckt - irgendwann einen steifen Hals, oder ich einen Buckel, wenn ich mich zu hinunterbücke..." Ich mag lieber auf "gleicher" Augenhöhe sein, damit die Kinder merken, dass ich sie als vollwertige Menschen ernst nehme.

Und im Grunde wollte ich nur sagen, dass wir uns im Umgang mit Menschen nie auf eine einzige starre Rolle festlegen sollten, denn sie ist für die soziale Interaktion und Kommunikation nicht förderlich.

Und noch etwas: Mit Kindern kann mensch wirklich Zauberhaftes erleben.

Vaterrollen

"Lasst Väter Vater sein" von Barbara Streidl, Verlagsgruppe Beltz, Weinheim, 2015