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Pantheon der Bildmagie.

Die letzten Tage habe ich mich einem lieben Freund eingebunkert, der hingebungsvoller Verehrer und Sammler von alten, uralten Kinoschätzen ist. Ausserdem ist er ein wandelndes Filmlexikon im wahrsten Sinn des Wortes - wahlloss zu einem Film, Schauspieler oder Regisseur befragt, ist er im stande, nicht nur die gewünschten Infos, sondern gleich ganze Abhandlungen zu liefern, alle wichtigen Querverweise inklusive.
Für mich ist es ganz wichtig, mich mehrmals im Jahr in so eine Kinowelt zurückzuziehen, wo der Farbfilm noch keine Rolle spielt und die mitwirkenden Protagonisten größtenteils längst verstorben sind. Es ist dies das Pantheon wahrer Bildmagie. Nimm zum Beispiel mal einen Stummfilm her: Den siehst du dir ja nicht so einfach nebenbei an; du nimmst dir Zeit, stellst dich darauf ein und wirst auf verschiedene Weise ganz besonders berührt. Durch die Absenz der Sprache wirken nämlich alle Gesichter, alle Gesten doppelt so stark, die altmodische Musik bringt dich in diese ganz besondere Stimmung; und wenn du (was alle Liebhaber dieses Genres tun) dir diverse Klassiker in den mühevollst restaurierten, gereinigten, quasi aufpolierten Fassungen besorgst, wirst du mit einem Leuchten, einem unerklärlichen Glanz belohnt, den du heute in keinem Kinofilm in solcher Form finden wirst.
Begeht man also in dieser Weise eine rituelle Handlung, bekommt man relativ schnell das Gefühl, die längst verstorbenen Schauspieler in ihren längst verblichenen Gewändern in längst zu Staub zerfallenen Gebäuden rufen einen aus einer anderen Welt, einer ewigen, erhebenden anderen Dimension, und man versteht, warum sich in der Frühzeit des Kinos so viele Männer und Frauen auf dem Altar des unauslöschlichen Hollywood geopfert haben. Die heutigen Filme aus der ehemaligen Traumfabrik, mit ihren klugen Regisseuren, schicken Stars, tollen Computertricks und unfassbaren Millionenbudgets haben damit natürlich nicht mehr das geringste zu tun.

Stummfilme