Papa raucht und Meister Eder mag Bier

Viele Kinderbücher werden heutzutage überarbeitet und umgeschrieben, weil das darin Beschriebene einer zeitgemäßen Erziehung oder politischen Korrektheit angeblich nicht mehr entspricht. Pumuckl darf nicht mehr am Bier nippen, Papa geht nicht mehr zum Zigarettenautomaten, sondern zum Geldautomaten und Mama trinkt abends kein Glas Rotwein mehr zum Abendessen, sondern Tee.
Vielmals ist nicht mal eine ideelle Vorstellung dahinter der Grund für das Umschreiben, es hat vielmehr meist wirtschaftliche Gründe: Eltern, Lehrer und andere "Pädagogen" kritisieren einen Inhalt und drohen damit, das Buch nicht mehr zu kaufen.

Aber wieso muss Kinderliteratur eigentlich immer erziehen? Nur pädagogisch wertvolles Material ist gefragt, die Kinder sollen ja auch was lernen ... Ich frage mich aber, ob nicht viel eher die Eltern dafür verantwortlich sind, ihre Kinder zu erziehen, als es Bücher sind.
Klar, heutzutage bedarf "10 kleine Negerlein" einer Erklärung. Aber genau die kann man schließlich geben oder man ist gegen den Begriff und will gar nicht, dass den Kindern so etwas gezeigt wird, also ist das Buch nicht mehr zeitgemäß. Für mich ändert sich an dem heutzutage nicht mehr politisch korrekten Inhalt nicht viel, wenn man "Negerlein" durch ein anderes Wort ersetzt und meinem Kind müsste ich ohnehin erklären, warum da nur Kinder mit dunkler Haut drin sind und wieso XXX

Klar: Schreibt man ein neues Buch für Kinder, dann ist es vielleicht angebraucht, politisch nicht mehr korrekte Begriffe auszulassen, damit die lieben Kleinen erst gar nicht auf die Idee kommen, sie zu verwenden. Und ich würde jetzt vielleicht auch nicht jeden Papa rauchen lassen, da es heutzutage einfach nicht mehr so Usus ist wie noch in den 70er Jahren, dass Papa abends eine Zigarette im Wohnzimmer raucht. Aber bestehende Literatur einfach zu verändern, damit sie den Ansprüchen an ein pädagogisch wertvolles und zeitgemäßes Buch genügt? Nein, wirklich nicht.

Christine Nöstlinger spricht mir aus dem Herzen, wenn sie beschreibt, dass Kinderliteratur umgeschrieben wird, "weil Kinderbücher nicht als richtige Literatur gelten, sondern als so etwas Ähnliches wie Erziehungspillen, eingewickelt in buntes G’schichterlpapier. Und je nachdem, wie die Dreinreder Kinder erzogen und zugerichtet haben wollen, sind eben ihre Vorstellungen von brauchbarer Lektüre für Kinder“.
Wieso dürfen Kinder nicht auch einfach unterhalten werden? Reale Begebenheiten werden kindgerecht dargestellt und dienen dem Vergnügen der Kinder, wieso muss man JEDES MAL etwas dabei lernen?
Es ist meines Erachtens einfach nicht die Aufgabe von Büchern, Kinder zu erziehen. Vielmehr gibt ein altes Buch, in dem Papa Zigaretten raucht, den Eltern die Gelegenheit, ihren Kindern erklären zu können, dass das heute nicht mehr so üblich ist, weil man weiß, dass es sehr ungesund ist und der Papa des Kindes deshalb nicht raucht.

Alkohol, Zigaretten und Co. in Kinderliteratur

http://orf.at/stories/2290256/2290259/

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