Paper in a world of data

Es gibt Tage an denen ich mir wünsche, ich hätte mich für einen Montblancfüller entschieden und nicht für einen überteuertes Macbook, als ich die Wahl hatte. Dieser Gedanke überfällt mich immer, wenn ich verzweifelt versuche, ein Genius Bar Termin zu vereinbaren. Wer hat eigentlich Zeit, zwei Wochen auf einen Termin bei Apple zu warten? Das alleine wäre ja einen Comment wert. Der Applekundenservice-Comment muss aber leider noch warten, denn heute geht es mir vor allen um Stift und Papier.

Klar, seitdem ich einen Computer besitze und eine eigene Email habe, schreibe auch ich weniger mit Sift auf Papier. Ehrlich gesagt, weiß ich noch nicht mal, ob ich vor hundert Jahren jemals versucht hätte, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Dafür mag ich mein Schreibprogramm auch viel zu sehr und die Tatsache, dass ich einfach drauf los schreiben kann, Sachen kopieren kann und an einer beliebigen Stelle einfügen kann, scheint mir täglich eines der größten Wunder überhaupt. Hat Tolstoy 'Krieg und Frieden' tatsächlich nur auf Papier geschrieben? Ich ziehe meinen Hut vor diesen Autor*innen aus vergangenen Jahrhunderten mit ihren veralteten Schreibwerkzeugen.

Aber genauso wie ich meinen Computer liebe, liebe ich auch meinen Füller. Seit gut zehn Jahren benutze ich auch das gleiche Modell - ein Lamy logo Füllhalter mit extrafeiner Feder und schwarzer Tinte. Gelegentlich wage ich mich auch einmal an andere Tintenfarben heran, aber nach einem kurzen Ausflug zu Grau und Türkis bin ich doch wieder bei Schwarz gelandet. Neulich habe ich mir auch einen wunderbaren Kugelschreiber geholt, der in Japan produziert wurde. Gerade für Leute, die eine kleine Handschrift haben, ist die Miene dieses Stifts perfekt. Für mein derzeitiges Notizbuch habe ich mehr ausgegeben als manch einer beim Friseur lässt. Denn nichts ist schöner, als wenn der Stift sanft über das Papier gleitet, während man versucht seine Ideen oder Notizen festzuhalten. Eine handschriftliche Seite mit Notizen erzeugt in mir nicht die gleiche Befriedigung wie eine abgetippte Seite auf dem Computer. Ich nutze meinen Füller auch gerne, wenn ich einen Text verstehen will. Dann schreibe ich oftmals ganze Passagen ab, denn alleine das Abschreiben hilft mir, manchen schwierigen Text zu verstehen. Es scheint mit dem handschriftlichen Schreiben eine Art von Reflexion statt zu finden, die ich so nicht beim bloßen Abtippen eines Textes erlebe. Sicherlich gibt es dazu auch irgendwelche psychologischen Studien, die ich nur auf die Schnelle nicht ergoogeln konnte, um meine These zu untermauern. Wer was dazu weiß, kann mir ja vertrauensvoll eine Postkarte schicken. Denn ich bin auch so ein Dinosaurier, der sich mehr über Selbstgeschriebenes als über Emails freut. Das liegt auch sicherlich daran, dass mit dem Versenden von Post wesentlich mer Mühe verbunden ist als mit dem Abschicken einer Email.

Natürlich kann auch ich nicht den Vorteil von moderner Kommunikation bestreiten. Erst diese Woche musste ich das Bürgeramt Münster kontaktieren. Anstatt eines Briefes habe ich natürlich eine Email geschrieben und schon einen Tag später hatte ich eine Rückantwort im Postkasten. Zu Briefträgerszeiten hätte ich wahrscheinlich drei Wochen auf eine Antwort warten müssen oder für ewig in der Warteschleife eines Telefons hängen müssen. Trotzdem würde ich niemals behaupten, dass Stift und Papier tote Medien sind. Denn wir wissen ja, Totgesagte leben länger. Man sieht es an dem Verkauf von Schallplatten und Bücher.

Und überhaupt, ohne Stifte gäbe es auch nicht mehr die schönen Toilettenschmiererein und wie langweilig wäre dann unsere Pinkelpause?

Kommunikation

http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/oct/30/bic-teenagers-pens-dead-paper-handwriting-relic

Anzeige: