Peter Fischli & David Weiss – „Der Lauf der Dinge“ (1987)

Ein Kunstfilm, eine Dokumentation, eine Installation (ist das überhaupt ein richtiger Film)? Was haben die beiden Künstler Peter Fischli und David Weiss aus der Schweiz 1987 da geschaffen? Es ist der schönste Film den ich kenne, es ist der spannendste, der intelligenteste, der ehrlichste(?), der brutalste, der faszinierendste Film, mein Lieblingsfilm. Keine Figuren, kein Dialog, keine Handlung, keine Musik, kein Kommentar:

Ein sich drehender Müllsack, ein langsam rollender Autoreifen; eine Explosion bringt eine Flasche zum Fall, infolge dessen bläst sich ein Ballon auf, der mit seiner Schwellung einen Kanister bewegt, dessen Inhalt läuft langsam aus, durch die Flüssigkeit wird in einem Behälter eine Dose angehoben, was zum Kippen eines Stuhls führt, der auf einem Tisch ein Gefäß mit chemischer Substanz umwirft, die einen dichten Rauch bildet, der an der Tischkante herab wabert und ein Kantholz zum Fall bringt, dadurch wird eine Teppichrolle auf einer Schrägen ausgerollt und der Teppichrand stößt eine Flasche um, usw...

30 Minuten, ein quasi Perpetuum Mobile, (fast) kein Schnitt, eine Kettenreaktion, Actio und Reactio, ein Gegenstand bedingt den nächsten Gegenstand. Fischli und Weiß installieren in einem Raum eine Versuchsanordnung, in der Mechanik, Physik, Chemie, Dynamik ihre Kräfte entfalten und Kausalität anschaulich wird; die Kamera folgt. Langweilig? Keine Spur! Das ist Spannung pur, man hält die Luft an, man fiebert mit, wird es klappen? Man wird auf die Folter gespannt, man wird überrascht, unterhalten, es ist faszinierend. Die knallharte Physik verwandelt sich in eine streckenweise zärtliche Magie der Dinge. Außerdem wohnt dem ganzen Ablauf auch etwas kontemplatives inne. Es handelt sich um eine Art von Meditation, eine Konzentration auf den jeweiligen Gegenstand bzw. Vorgang, der Fokus richtet sich immer genau auf einen Punkt.
Der Film leistet die Wiedervereinigung von Physik und Philosophie, die Versuchsanordnung der Logik wird zu einer Frage der Moral und löst sich dann in reinste Ästhetik auf. „Der Lauf der Dinge“ ist die Odyssee ohne Menschen und Götter.

LIEBLINGSFILME

https://youtu.be/DZ7vFxZHhyI

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