Pokémon GO home…?

So, ich muss jetzt doch mal etwas zu "Pokémon GO" loswerden. Denn ich bin Betroffener. Nicht etwa, weil ich das zocke. Nein, weil ich "Zuhause-Urlauber" bin und der Park vor meiner Haustüre mein Hort der Kontemplation ist. Beziehungsweise war. Er ist es gewesen! Nein Quatsch, er ist es eigentlich immernoch, aber das Paradies hat jetzt ein paar gravierende, umherschlurfende Macken, seit es die Strom fressende App gibt. Sie muss wohl mächtig Saft ziehen, weil nahezu jeder hat 'ne Powerbank angedockt. Wahrscheinlich steckt eh die Powerbank-Industrie dahinter. Und die wird bald Google aufkaufen, mark my words…

Während ich diese Zeilen schreibe, hier in meinem Freiluft-Büro, bin ich regelrecht umzingelt von in Grüppchen auftretenden Pokémon-Verschleppern. Es ist etwas lauter als früher. Aber eigentlich geht's. Trotzdem regt es mich auf. Und komischerweise regen mich die Gegner, die ihren Unmut darüber offen kundtun, fast noch mehr auf. Ich weiß wirklich nicht auf wessen Seite ich hier stehe.

Ja, "Pokémon GO" finde ich blöd. Vermutlich, weil ich es nicht spiele. Menschen, die auf Handys starren sehen generell doof aus irgendwie. Wenn sie das in Gruppen tun, während sie blind und doch trittsicher durch Flora und Fauna synchron Haken schlagen, potenziert sich der Eindruck schätzungsweise noch. Das sieht aus wie ein Rudel Tauben, das geschlossen Brotkrumen hinterherjagt. Und weil die Interaktion über ein für Beobachter stummes Medium erfolgt, fehlt so etwas Nachvollziehbares. Wären die Gamer dabei gezwungen miteinander zu reden, also wenn Kommunikation essenzieller Teil des Spiels wäre, sähe es wohl nicht ganz so albern und autistisch aus. Aber ohne wirkt es halt auf Unbeteiligte recht sinnfrei. Jedoch, was geht die das an? Nur weil keiner 'ne Frisbie wirft. Man wirft Bälle glaube ich. Virtuell. Auf Pokémons. Na ja.

Die Kritiker regen mich wie gesagt beinahe noch mehr auf. Vermutlich, weil ich so eine Verdrossenheit technischen Fortschritts gegenüber, samt seiner exotischen Begleiterscheinungen, ebenfalls nicht leiden kann. Für solche Aluhut-Anwärter ist so ein virtueller Zeitvertreib doch nur eine Steilvorlage, einmal mehr die "gute alte Zeit" zu verklären. Ach war das früher schön, als wir vor unseren Höhlen noch mit Eselsköpfen richtig Fußball spielten…

Ein Gutes hat "Pokémon GO" aber ganz bestimmt: Pfandflaschen-Sammler dürften jetzt eine weitaus größere Ausbeute im Park erwirtschaften. Und wenn ich da an meine eigene ärmliche Zukunft denke, hoffe ich wirklich ein wenig, dass diese Art von Freizeitvergnügen nicht so schnell wieder von uns gehen möge. Außer das bedingungslose Grundeinkommen wird eingeführt. Dann eventuell doch Todesstrafe…?

Pokémon GO

https://youtu.be/kwwEYdo31yU

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