Unsere Datenschutzrichtlinien haben sich geändert. Die aktuelle Version finden Sie hier

We have updated our privacy terms. Please review the current version here

Diese Website nutzt Cookies um Inhalte zu personalisieren, Zugriffe zu analysieren und Dir ein optimales Nutzungserlebnis zu ermöglichen. mehr erfahren

This website uses cookies to personalize contents, track site usage and ensure you get the best experience on our website. learn more

Reaktionäre Zwangsveranstaltung

Bundesjugendspiele abschaffen – danke, Frau Christine Finke, für Ihre Petition. Meiner Ansicht nach eine längst überfällige Aktion. Dass es diese, übrigens bezeichnenderweise auf die sog. Reichsjugendwettkämpfe zurückgehende, Zwangsveranstaltung immer noch gibt, ist ein trauriger Umstand, der aber m. E. sehr charakteristisch ist für das deutsche Schulsystem, das alles in allem nur darauf abzielt, Kinder auf ein Funktionieren in „unserer“ kompetitiven Gesellschaft abzurichten. So früh wie möglich, und wenn's effektiv ist, auch mittels demütigender, teils traumatisierender Erfahrungen. Pädagogisch? Sicher nicht, jedenfalls nicht im positiven Sinn.
Ich persönlich denke an die Bundesjugendspiele mit ähnlichen Gefühlen zurück, wie sie der Sohn von Frau Finke vor kurzem erleben musste. Horror!! Rennen, Werfen, Springen - keine der bei diesen Reichs- äh, Bundesjugendspielen geforderten Disziplinen beherrschte ich in irgendeiner Weise so gut, dass an irgendeine Auszeichnung auch nur zu denken war. Trotz intensiven Trainings, das ich seinerzeit nicht etwa absolvierte, um eine scheiß Urkunde von irgendeinem Staatsvertreter zu erhalten, sondern nur, um der vernichtenden Blamage zu entkommen - die allerdings trotz angstschweißgetränkter Vorbereitungen jedes Jahr wieder unvermeidlich zuschlug.
Es gibt nun mal Kinder, die in den genannten Disziplinen nicht so gut performen, dass sie die für eine Anerkennung erforderliche Punktzahl erreichen können, egal, wie sehr sie sich anstrengen, und andere, die nicht viel dafür tun müssen, um eine vom Bundespräsidenten signierte Ehrenurkunde zu erringen und sich somit schon mal frühzeitig als würdige und brauchbare Staatsbürger*innen zu empfehlen. Warum, zum Teufel, lässt man diese sportbegabten und -begeisterten Kinder nicht freiwillig zu einem solchen Wettbewerb antreten, wo sie sich mit anderen, etwa gleich guten Schüler*innen messen und positive Erfahrungen sammeln können, und erspart den weniger mit sportlichem Talent gesegneten Kindern diese gnadenlose Tortur? Zumal man sie damit des m. E. ausschließlichen Sinns eines pädagogisch durchdachten Sportunterrichts beraubt: Ein gutes Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln und Spaß an der Bewegung zu erfahren. Wird Sport stattdessen mit Gefühlen von Angst, Frust und Versagen verbunden - und solche Verknüpfungen entstehen eben bei diesem Wettbewerb, wenn man die geforderten Leistungen trotz aller Bemühungen nicht zeigt - ist der Weg zum trägen Teenager, der bekanntlich oft in ein übergewichtiges Erwachsenenleben mündet, schon verdammt deutlich vorgezeichnet.

Bundesjugendspiele abschaffen

http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/bundesjugendspiele-mutter-startet-petition-bundesjugendspieleweg-a-1040475.html