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Ronja und ich im Wald

Es ist ein Klischee, das sowohl in angeregten Gesprächen nach zwei Uhr nachts als auch in Erziehungsratgebern (für verängstigte Elternteile mit beruhigenden Titeln wie zum Beispiel „Achtung, Pubertät! Die sieben größten Fehler, die alles noch viel schlimmer machen“) strapaziert wird: Kinder haben unsichtbare Freunde, die oft monate- oder jahrelang ihre Begleiter, Ansprechpartner oder Spielgefährten sind. Niemand sonst kann sie sehen, sie haben seltsame Namen und machen alles mit, was die lieben Kleinen so erleben.
Da ich aber offensichtlich als Kind ein wenig komisch war, hatte ich nicht einfach einen unsichtbaren Freund, so wie andere Kinder. Ich machte mir viel mehr Gedanken darum, dass die Kinder in meinen Büchern oft unsichtbare Freunde hatten, ich aber nicht. Ich überlegte, ob diese Kinder ihre Begleiter auch wirklich sahen oder einfach lügten, wenn sie behaupteten, sie stünden neben ihnen. Ich dachte mir unsichtbare Freunde aus und bemühte mich den ganzen Tag, mir einzubilden, ich würde sie sehen. Leider war ich dann aber einfach viel zu inkonsequent, um auch nur mehr als zwei Tage lang dabeizubleiben. Ich wünschte mir also wirklich sehr, endlich einen unsichtbaren Freund zu haben.
Im Nachhinein betrachtet wundere ich mich über meine „Sorge“, keine unsichtbaren Freunde zu haben. Tatsächlich spielte ich nämlich Tag für Tag draußen und im Wald mit zahlreichen Kindern, die für andere unsichtbar waren, zum Beispiel mit meiner geliebten Ronja Räubertochter.

Ronja war tatsächlich meine Begleiterin, ich stellte mir vor, wie sie zu sein und die Beschreibung ihres Alltags raubte mir irgendwie den Atem, ich kann kaum beschreiben, wieso sie mich so fasziniert hat. Aber dieses wilde, freie Mädchen war eine Räubertochter durch und durch und lebte in und mit der Natur.

Heute ist mir klar, dass meine "Freunde" aus Büchern mir viel bessere unsichtbare Freunde waren, als es der so herbeigewünschte klischeehafte unsichtbare Freund je hätte sein können.

Ronja Räubertochter