SELBST DENKEN – Eine Anleitung zum Widerstand

Neulich sah ich mal wieder eine Folge von "Pelzig hält sich". Der Kabarettist Frank-Markus Barwasser aka Erwin Pelzig lädt sich jeweils drei prominente Gäste (oft aus der Politik) ein und interviewt sie mit seiner fränkisch frechen Schnauze. Zwischendurch sagt er als Kabarettist und Comedien sehr unverblümt seine Meinung zu aktuellen Themen. Ausgesprochen sehenswert, finde ich. Hier der Link zur September-Sendung in der Mediathek des ZDF http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2466998/Pelzig-h%C3%A4lt-sich%22-vom-8-September-2015

In jener Sendung war der Soziologe und Transformationsdesigner Harald Welzer zu Gast. Es ging im Gespräch mit ihm um all die Dinge, die auf diesem Planeten unbedingt anders werden müssen, wenn wir Menschen insgesamt eine realistische Überlebenschance haben wollen. Schließlich leben wir mittlerweile im Anthropozän, dem ersten Erdzeitalter, das vorwiegend durch die Auswirkungen der Handlungen einer einzigen Art von Lebewesen geprägt wird. Nämlich den Folgen menschlichen Handelns und Unterlassens. Erwin Pelzig stellte auch das neue Buch von Welzer vor, in dem es um die überlebensnotwendigen Veränderungen geht. Ich habe mir "SELBST DENKEN – Eine Anleitung zum Widerstand" gekauft und gelesen, hier eine kurze Rezension:

Ein durchaus lesenswertes Buch, das aber insgesamt mehr Fragen aufwirft, als es Antworten gibt. Lästig bis ärgerlich fand ich die hochgestochen akademische Sprache. Warum „camoufliert“ statt getarnt oder verschleiert, warum „mutatis mutandis“ statt mit den notwendigen Änderungen? Zwischendurch schreibt Professor Welzer durchaus witzig und ironisch, und für jedermann verständlich. Aber viele Passagen klingen wie aus einer Dissertation zitiert. Auf diese Weise wird man wohl kaum ein breites Publikum erreichen.

Aber das ist unbedingt nötig, wie Welzer wiederholt betont. Mit strategischem Konsum allein kann die Welt nicht verändert werden, es müsste vor allem weniger konsumiert werden, erheblich weniger. Das schlimme Wort Verzicht vermeidet Welzer dabei tunlichst. Echte Umwälzungen – so erklärt der Soziologe und Professor für Transformationsdesign – finden nur statt, wenn 3 bis 5 % der Menschen in einer Gruppe oder Gesellschaft entsprechende Veränderungen wollen und sich darin einig sind. 3 bis 5 % – das bedeutet etwa 3 Millionen Deutsche, 39 bis 65 Millionen aller Inder oder 220 bis 365 Millionen der Weltbürger. Die gilt es erst einmal zu überzeugen.

Revolution der Vernunft

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2466998/Pelzig-h%C3%A4lt-sich%22-vom-8-September-2015

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