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Schaurig-schönes Kleinod

Von Bastian Balthasar Bux in der „Unendlichen Geschichte“ bis Hermine Granger in „Harry Potter“ - Kinder, die Bücher lieben, sind immer wieder gern gesehenes Personal in phantastischen Romanen und Erzählungen. Dabei fungiert das Buch oft als Portal in andere Welten. Nicht so in dieser kurzen und ziemlich seltsamen Erzählung von Haruki Murakami. Hier ist es die Bibliothek, in deren Kellerräumen sich eine andere Welt auftut. Und die hat mit zum Leben erwachter Literatur nicht viel zu tun. Es ist auch keine schöne oder abenteuerliche Welt, in die der namenlose Protagonist hier gerät, sondern vielmehr ein bizarres Gefängnis, in dem Angst und Verwirrung anstelle von Action und Abenteuern herrschen. Die Bibliothek als Falle für das lesebegeisterte Kind - ein ungewöhnlicher, ganz schön böser Ansatz, den Murakami hier wählt und der einmal mehr an das große Vorbild des japanischen Schriftstellers erinnert: Kafka. Das Allegorische, das Labyrinthisch-Unentrinnbare, die ungerechtfertigte Strafe, die obskuren Motive der handelnden Figuren (u.a. ist auch Murakamis immer wieder äußerst befremdlicher Schafsmann dabei): All das finden wir bei Kafka, und so auch in diesem melancholischen Gruselmärchen des japanischen Kultautors. Aber trotz der unleugbaren Inspirationsquelle spricht Murakami (klar, schon durch den völlig anderen kulturellen Blickwinkel bedingt) eine ganz andere und eigene Sprache. Die ist einfach, klar und in surreale Bilder verpackt und hallt in den sehr passenden, monochromen Illustrationen der Berlinerin Kat Menschik mit düsterer Kraft wider. In einer halben Stunde ist das schön gemachte Büchlein konsumiert – aber sicher nicht gedeutet, falls das angesichts seiner Rätselhaftigkeit überhaupt möglich sein sollte. Vielmehr lädt die „Unheimliche Bibliothek“ dazu ein, öfter mal betreten zu werden, um mehr zu entdecken, sich zu wundern und auch mal ein bisschen zu schaudern. Nicht unbedingt das stärkste Werk von Murakami, aber doch ein schaurig-schönes Kleinod. Gerade auch deshalb faszinierend, weil es unsere westlichen Erwartungen an eine phantastische Erzählung durchkreuzt.

Haruki Murakami: Die unheimliche Bibliothek

http://www.amazon.de/Die-unheimliche-Bibliothek-Haruki-Murakami/dp/3832162933/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1435879442&sr=8-1&keywords=haruki+unheimliche+bibliothek