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Science Fiction als Therapie.

Als Bub hatte ich wahnsinnige Angst vor dem Einschlafen. Weinend und greinend wand ich mich wie eine sich häutende Schlange im Bett, Nacht für Nacht saß die hilflose Mutter neben mir und versuchte wahlweise mit Strenge mein Problem zu kurieren oder auch nur mein verschwitztes Händchen zu halten. Der Heranwachsende hatte eine Heidenangst vor der Nacht, und das kam so: Im Kindergarten hatten wir das traditionelle Laternenfest im Garten gefeiert. Mit unseren aus Buntpapier und Drahtkörben gebastelten Laternen gingen wir, angeführt von unseren Kindergartentanten, im Kreis herum und sangen das allseits bekannte “Laterne, Laterne, Sonne Mond und Sterne…”. Zum Abschluß des Abends wurde dann noch das von Johannes Brahms vertonte “Wiegenlied” angestimmt, dessen mir bis dato unbekannter Text mich wie ein schwarzer Blitz traf und mir eine Erleuchtung der finstersten Art bescherte. "Guten Abend, gut’ Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf unter die Deck: Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt." In meinem katholisch indoktrinierten Kinderhirn klickten die Zahnräder: “Wenn Gott WILL..?” - Und wenn er nicht wollte? Wenn er böse mit mir war, weil ich gesündigt hatte? Oder aufs Wecken vergass, weil er ja über so viele Seelen wachte… Da verfestigte sich die in vielen angstvollen Nächten gehegte Vorstellung von mir als vergessenem Kind, das von nun an bis in alle Ewigkeit in finsterster Schwärze und Unbewußtsein verharrte, weil der grosse Weltenrichter es nicht mehr erwecken konnte oder wollte.
Abhilfe für diese furchtbare Angst kam aus der Science Fiction. Mein damals bester Freund Andreas borgte mir ein unglaubliches, ein unfassbares Buch: Das hatte einen silberglänzenden Einband und am Buchcover ein Hologramm: das war so eine geriffelte Plastikscheibe, die man über die Zeichnung eines Astronauten auf einem fernen Himmelskörper geklebt hatte und die einem je nach Neigung des Buches eine simple Bewegung des Bildes vorgaukelte. Alleine damit konnte man schon Stunden verbringen. Das zugehörige Buch war der die Nummer 9 der legendären “Silberbände”, in denen die in den 1960er-Jahren in Deutschland erschienenen Perry Rhodan-Groschenhefte zu neu überarbeiteten Romanzyklen zusammengefasst wurden. Die Stunden, die ich, auf dem Bett liegend, in den bis dato mir unbekannten Zukunftsuniversen verbrachte und mit Perry Rhodan, Reginald Bull und dem Mutantenkorps verbrachte, gehören zu den intensivsten und schönsten Erfahrungen meiner Kindheit - die Erinnerung daran erzeugt heute noch in mir ein Wohlgefühl, wie es nicht einmal das stärkste Opiat vermitteln könnte.

Perry Rhodan