Selbstfindung à la Kerkeling - jetzt auch als Film

Neues aus der Reihe: Bestseller, die ich nicht gelesen habe, und ihre Verfilmungen. Diesmal geht’s um das Jakobsweg-Tagebuch des beliebten Entertainers Hape Kerkeling („Hurz!“), das 2006 mit viel Humor die Herzen der Fans und Selbstfindungswilligen zum Strahlen brachte.

Nun also der obligatorische Film zum Erfolgsbuch. In dem spielt Hape zwar nicht selbst mit, wird aber vom irgendwie immer guten Devid Striesow lebensecht nachgestellt. Martina Gedeck macht als kiffende, vergangenheitstraumatisierte Mitpilgerin ebenfalls eine solide Figur, in Nebenrollen werden Annette Frier als Agentin und Katharina Thalbach als Hapes Omma verbraten.
Eine echte Sternstunde erlebt dagegen der junge Noah Wiechers, der hier den Teenage-Hape gibt – man sieht ihn in einigen Rückblenden, die erzählen, wie Hans Peter Kerkeling in die Unterhaltungsbranche geriet und seinen Glauben an Gott verlor (steht in keinem unmittelbaren Zusammenhang, so viel sei verraten).

Und, findet der geschlauchte Unterhaltungskünstler ihn beim Pilgern nun wieder, seinen Glauben? Na klaro, aber das dauert. Auf den ersten, etwas zähen Kilometern stellt man sich dabei die gleichen Fragen wie der fußwunde Protagonist: „Was mach ich hier eigentlich und wann kommt endlich die Erkenntnis?“

Von und für Hape folgen zahllose mit Pilger-Postkartenidyll untermalte Kalendersprüche aus dem Bausatz „Der Weg ist das Ziel“, bis man sich selbst am Ende so richtig kennengelernt und auch mit dem lieben Gott re-connected hat. Das alles tut keinem weh (außer überzeugten Atheist*innen wahrscheinlich), und auf der langen Reise zum Ich erleben wir auch den einen oder anderen netten Moment. Die wahre Erkenntnis holt man sich dann aber doch eher auf dem eigenen Jakobsweg als im Kino. Denn merke: Man muss den Weg selbst gehen, um ihn zu verstehen. Ach ja...

Ich bin dann mal weg

http://www.filmstarts.de/kritiken/102511-Ich-bin-dann-mal-weg-Meine-Reise-auf-dem-Jakobsweg.html

Anzeige: