Shift 5 und Shift 7: Faire Smartphones aus Hessen

Das Fairphone sorgte 2013 für einiges Aufsehen. Ein hippes niederländisches Unternehmen versprach, ein Smartphone herzustellen, das ethischen Mindeststandards genügt – eine Marktlücke mit viel Potential, denkt man beispielsweise an die sehr problematischen Arbeitsbedingungen beim chinesischen Zulieferer Foxconn, der neben Apple oder Microsoft übrigens auch für Nintendo, Sony und Google produziert. Auch Rohstoffe für den endlosen weltweiten Durst nach neuer Elektronik kommen nicht von irgendwoher, sondern werden meist in Entwicklungsländern unter fragwürdigen Bedingungen abgebaut. Nicht selten fließen Profite gar direkt in kriegerische Auseinandersetzungen.

Der Hype war also nach den Bio- und Fairtrade-Trends der letzten Jahre quasi vorprogrammiert, und Fairphone konnte 25.000 Vorbestellungen verbuchen. Insgesamt hat das Unternehmen bis heute ca. 60.000 ihrer Mittelklasse-Smartphones verkauft. Ein zweites Modell – das Fairphone 2 – steht in den Startlöchern und soll im vierten Quartal 2015 ausgeliefert werden.

Dieser „Global Player“ in Sachen faire Kommunikationselektronik ist natürlich ein Winzling gegenüber Samsung oder Apple, die jeweils weit über 200 Millionen Smartphones im Jahr absetzen. Trotzdem geht es überraschenderweise noch kleiner: Die hessische Firma ShiftPhones bietet ebenfalls Smartphones an, die, soweit möglich und verfolgbar, fair produziert sein sollen. Das Shift 7, ein Smartphone/Tablet-Hybrid, ist bereits seit zwei Jahren erhältlich und verkaufte sich ca. 800 mal. Bald auf den Markt kommt das Shift 5, das mit 5 Zoll-Screen eher traditionellere Maße hat. Beide Modelle bieten eine Standard-Ausstattung und sind mit 222 Euro relativ günstig zu haben.

Produziert werden die Handys allerdings nicht in Hessen, sondern ebenfalls in China. Wie problematisch es ist, das Label „fair“ an ein hochkomplexes Stück Elektronik zu heften, dokumentiert der unten verlinkte Artikel von taz.de sehr gut: Zu ungenau können Arbeitsbedingungen in China kontrolliert werden, zu lang sind die Lieferketten vieler Rohstoffe, als dass völlige „Konfliktfreiheit“ garantiert werden könnte.

Dennoch: So fair wie möglich ist immer noch besser als die stille Duldung von Ausbeutung und Ungerechtigkeit. Das tiefergehende Problem ist ohnehin die unglaubliche Nachfrage nach immer neuen, größeren, dünneren, schnelleren, leichteren Geräten mit immer neuen Betriebssystemen, Modulen und Fähigkeiten. Zwei Jahre gelten im Smartphone-Sektor mittlerweile schon fast als hohe Lebensdauer. Insofern bleibt ebenfalls wahr: Das fairste Smartphone ist immer das, was man bereits benutzt.

Smartphone

http://taz.de/%215240774/

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