Slayer - "Repentless": Vorsicht, bissige Fans!

Streit ist bei neuen Slayer-Alben ja vorprogrammiert. Das ist auch bei „Repentless“, dem nach sechs Jahren Albumpause frisch erschienenen elften des Quartetts, nicht anders. Autor Tex Rubinowitz, der Slayer auf Spiegel Online kürzlich enttäuscht zur „uninteressantesten Band der Welt“ ausrief, wurde im Kommentarbereich umgehend völlige Inkompetenz vorgeworfen. Das gehört sich bei Verrissen so, auch wenn es immer wieder erstaunlich ist, wie schnell Fans einen wütenden Beißreflex entwickeln, wenn schlecht über ihre Helden geschrieben wird. Rubinowitz hat aber Recht - und er hat nicht Recht. „Repentless“ ist nicht so schlecht, wie er schreibt, und nicht so gut, wie von den Fans erhofft. Nach dem Tod von Gitarrist Jeff Hannemann und der unschönen Trennung von Drummer Dave Lombardo markiert die Platte aber einen gelungenen Neuanfang, an dem es handwerklich wie gewohnt nichts zu meckern gibt. Man beherrscht seine Instrumente im Hause Slayer. Oder der Sound: Produzent Terry Date orientierte sich an den Vorgängern „Christ Illusion“ und „World Painted Blood“ und verpasste „Repentless“ einen äußerst druckvollen, differenzierten Klang. Schwere und schnelle Thrash-Metal-Brecher wie das namensgebende „Repentless“, „Vices“ oder „You Against You“ dürften mit ihrem klassischen Stil auch Slayer-Fans der ersten Stunde geschmeidig ins Ohr gehen. Doch hinterlässt keineswegs jeder Song einen bleibenden Eindruck. Am Ende reicht es zu einer soliden Slayer-Platte, die sich gut in die Diskografie einfügt, aber nicht das Zeug zum Klassiker hat.

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http://www.spiegel.de/kultur/musik/abgehoert-the-libertines-farao-petite-noir-beirut-slayer-a-1051840.html